betteln müssen...

Kunstausstellung Höhenrausch Linz 2016
Foto Pichler

 

 

aufgewühlt und durcheinander

wütend zornig und gekränkt

ruft es in mir aus leibeskräften

nach gerechtigkeit und fairness

 

sie die fremde hilflos und bedürftig

bettelt bettelt bettelt

ignoriert und abgewiesen

fortgeschickt

und dann erniedrigt

lässt sie nicht locker

kämpft verzweifelt

 

denn sie weiß um ihre würde

die im innen wohnt

unverletzbar

unantastbar

vertraut sie ganz

und wird erhört

welch ein wunder

ER der große RABBI

lernt von ihr

 

petra maria unterberger

 

 

nackte angst verkleidet

 

 

erkennnst du sie 

die nackte angst

 

immer wieder neu verkleidet

bricht sie ein 

ins gute leben

flackert auf in wut und zorn

oder zeigt sich

glanzvoll und heroisch

manchmal zitternd klein

und schmächtig

oder kontrollierend stark

 

die nackte angst

immer wieder neu verkleidet

bricht sie ein

 

immer wieder brüchig

mein vertrauen ins sein

 

petra maria unterberger

gebt ihnen zu essen

 

 vor den toren europas

die vielen hungrigen

siehst du sie

sie rufen und warten vergebens

 

in den betrieben europas

die vielen hungrigen

siehst du sie

sie rufen nach arbeit und lohn

 

in den häusern unserer nachbarn 

siehst du sie

stumm und wortlos

warten sie auf ein freundliches wort

 

„gebt ihr ihnen zu essen“

 

petra maria unterberger

...dem innen auf der spur

 

 

wahrhaftig und echt

dem innen auf der spur

 

im gehen die dynamik

des eigenen spüren

die melodie des augenblicks

im herzen

tränen der trauer

verbunden mit einer

leisen stimme

die den weg

zum reich der himmel

mitten im jetzt kennt

 

wahrhaftig und echt

dem innen auf der spur

petra maria unterberger

urgrund

 

 

du urgund

gott genannt

in dir wächst die saat

und auch das gras

 

du urgrund

gott genannt

du birgst das unscheinbare kleine

und es wird groß und stark und weit

 

du urgrund

gott genannt

durchsäuerst diese welt

wie sauerteig das brot

 

du urgrund

gott genannt

gibst halt und leben

auf dich vertrau ich ganz

petra maria unterberger

seelenlandschaft

 

seelenlandschaft

facettenreich und schön

 

manchmal karg versteinert

manchmal oberflächlich und zerstreut

manchmal wüstes durcheinander

dornen spitz und verletzend

 

und ganz sicher 

da und dort

tiefgründig

fruchtbar

einfach gut und genug

 

seelenlandschaft

facettenreich und schön

 

petra unterberger

zärtliche gegenwart

 

 

spürst du sie

die sanfte zärtliche

gegenwart

mitten im bodenständigen

jetzt

 

in deiner angst zu versagen

in den brüchigen beziehungen

in unterdrückung und ausbeutung

 

spürst du sie

die sanfte zärtliche

gegenwart

mitten im bodenständign

jetzt

 

petra unterberger

groß - schön - weich - leicht - schwer

 

 

die liebe ist ein großes wort

 

manchmal so schön und weich und leicht

dann wieder schwer 

ja schmerzhaft fordernd sogar

sie kennt kein maß

keinen vergleich

sie ist im fluß

sie gibt sich ohne was zu wollen

sie trägt dich und die anderen

an einen ort

an dem gewiss

das leben dir zum leben wird

vertrau darauf hab keine angst

denn wer sich gibt

bekommt in fülle

lebenssinn und 

obendrein ein stück glück

geschenkt

 

petra maria unterberger

verhüllt - eingehüllt - enthüllt

 

 

verhüllt

wie die mohnblume

eingehüllt

in zarten roten blütenblättern

wartet im innen

die berauschende fülle

enthüllt

zeigt sich unerwartet

das leben

in seiner kraft

 

petra maria unterberger

dem leben dienen...

das schweigen der lämmer

 

mundtot  gemacht

eingesperrt im hamsterrad

müde geschunden und erschöpft

eine leichte beute

für die gierig lauernden wölfe

 

das schweigen der lämmer

 

ruft dich

ungerechte strukturen zu benennen

fordert dich 

achtsam und heilsam zu sein

mit vollmacht ausgestattet

dem leben zu dienen

 

petra maria unterberger

leise ...

nachtgespräch

 

leise öffnet sich

im schutz der nacht

die tür

zum transzendenten raum

 

leise spricht vielleicht

im traum

die stimme

gott genannt

zu dir

 

leise dämmert dir

vielleicht am morgen

geschützt geliebt

und auch geborgen

bist du

heute 

morgen

bis in ewigkeit

 

petra unterberger

urgewalten

 

 

urgewalten der Seele

brechen plötzlich herein

fegen wie ein orkan

durch dich hindurch

wirbeln auf und reinigen

läutern mit dem feuer der liebe

 

urgewalten der seele

erschreckend

bedrohlich

befreiend

schmerzhaft vielleicht

 

urgewalten der seele

erobern den raum in dir

außer dir 

erfährst du dich vielleicht

 

urgewalten der seele

schenken neue ordnung

neuen blick

neues leben

jenseits von sprache

erfährst du sie

 

urgewalten der seele

 

geistkraft gottes

ruach genannt

petra maria unterberger

 

ohne zutun wie verzaubert

 
 
eingefangen
aufgeschnappt
 
zugefallen
angerührt
 
ohne zutun wie verzaubert
lichtdurchströmt
wunderbar
sprachlos
ja verstört sogar
 
rückt das unerwartet
numinose
welt und menschenbild
zurecht
 
löst dich heraus
aus denkstrukturen
 
wandelt dich
hinein ins gute leben
GOTT genannt
 
petra maria unterberger
 
 
 

großzügig lieben

 

 

die liebe

groß und tief

wie das meer

bewohnt sie uns

unerschöpflich immer da

wartet sie

manchmal verschüttet

eingeschüchtert und verborgen

eingefroren

kaltgestellt

ist sie da

verlässt dich nicht

wärmt von innen

lädt dich ein

zu lieben und von herzen

großzügig zu sein

 

petra maria unterberger

inmitten von umbruch

 

bruchstücke der hoffnung

inmitten von umbruch

angst und verwirrung

kritisch betrachtend

ruft die macht der gewohnheit

nach dem altvertrauten

klammert sich verzweifelt

ans sinkende boot

hört den weckruf

sieht das neue

hoffentlich

noch früh genug

 

petra maria unterberger

welcher stimme trauen?

 

 

stimmengewirr in dieser zeit

manchmal leise

manchmal laut

 

rufen mich

komm folge mir

heilsversprechen hier und da

ohne rücksicht auf verluste

rauben sie und stehlen sie

schlachten ungeniert

 

unsere wunderbare welt 

wird geopfert ohne skrupel 

 

deshalb frage ich mich heute

welcher stimme kann ich trauen

welche meint es gut mit mir

welche will das  gute leben 

frieden und gerechtigkeit

wofür will ich leben

wofür will ich sein

wofür gebe ich gerne 

meine lebenszeit

 

petra maria unterberger