Leere - Stille - Mitte

 

 

6. Sonntag der Osterzeit LJ C (22. Mai 2022)

Evangelium des Johannes 14, 22 – 29

 

In jener Zeit fragte Judas - nicht der Iskariot:

Herr, wie kommt es, dass du dich nur uns offenbaren willst und nicht der Welt?

 

23 Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten;

mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.

 

24 Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.

 

25 Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.

 

26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird,

der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

 

27 Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch.

 

Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.

28 Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch.

Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.

29 Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.

 

Einfach weiterdenken...

 

Die Abschiedsreden des Johannesevangeliums sind für die Jünger:innengemeinden der zweiten Generation und für uns geschrieben: Sie wollen ermutigen, die Botschaft in der Zeit ohne den irdischen Jesus zu leben. Johannes versucht, die Worte von damals zu „ver-heutigen“ und in die aktuelle Situation zu „über-setzen“.

 

In jener Zeit fragte Judas...

 

Es ist eine vor allem in den christlichen Basisgemeinden des Südens bewährte Methode, zuerst die Fragen der Menschen zu sammeln und dann das Evangelium zu befragen, wie es jetzt unser Handeln unterstützen kann. So kann gesagt werden: Das erste Wort ist das Leben. Sein zweites, die Bibel, kann uns helfen, das Leben zu verstehen und sinnvoll zu gestalten.

 

Welche Lebensfragen beschäftigen mich aktuell?

 

... wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen

 

„Geschaffen nach Gottes Bild“ dachte das Erste Testament den Menschen ... bewohnt vom Vater und Christus nennt das Evangelium das Wesen des Menschen: Diese Grundbegabung verwirklicht sich in der Liebe.

 

... Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten...

 

Sich an das Wort des Evangeliums halten und sich an ihm orientieren bedeutet lieben.

Und das Wort ist der Christus.

Mit dem Vorwort des Evangeliums ausgedrückt:

In IHM, dem Logos-Wort, ist das Leben und das Licht.

 

Wir können in uns „Raum schaffen“ für das Wort.

Dazu kann es hilfreich sein, unser vielfach besetztes Inneres zu entleeren.

 

Bert Brecht benennt es so:

 

„Geh ich zeitig in die Leere,

komm ich aus der Leere voll.

Wenn ich mit dem Nichts verkehre,

weiß ich wieder, was ich soll.“

 

Die Weisheitslehre des Ostens und die christliche Mystik nennen die Leere „Stille“.

In der Stille kann sich auch Friede ausbreiten und Ruhe.

 

Und in dieser Stille/im Leereraum ereignet sich die göttliche Geistkraft, die uns alles lehren und uns an alles erinnern wird, was ER uns jetzt sagen will.

lieben können...

 

 

5. Sonntag der Osterzeit LJ C (15. Mai 2022)

Evangelium des Johannes 13, 31 - 34

 

Als Judas vom Mahl hinausgegangen war,

sagte Jesus: 31 Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht

und Gott ist in ihm verherrlicht.

32 Wenn Gott in ihm verherrlicht ist,

wird auch Gott ihn in sich verherrlichen

und er wird ihn bald verherrlichen.

 

33a Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch.

 

34 Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander!

Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.

35 Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger:Innen seid:

wenn ihr einander liebt.

 

Einfach weiterdenken...

 

Als Judas vom Mahl hinausgegangen war...

 

Das Evangelium des Johannes ist eine Ermutigung für die Jesus-Jünger:innen der zweiten Generation in einem schwierigen Umfeld.Sie mussten erst ihren Platz finden in der Gesellschaft. Das mag für das Zusammenleben in der kleinen Gemeinde zu mancher Verunsicherung geführt haben.

 

Ähnlich erging es der ersten Weggemeinschaft um Jesus, einer bunten Gruppe von Männern und Frauen, manchmal zweifelnd, dann wieder vertrauend. Unter ihnen Judas: Als Zelot mag er gehofft haben, dass die Weggemeinschaft mit Jesus seinem Vorhaben, die Freiheit gewaltsam zu erkämpfen, Flügel verleihen könnte. Eine Erwartung, die der Botschaft von Jesus ganz fremd war. So griff durch Judas Misstrauen um sich. Erst da, als Judas hinausgegangen war, entstand ein Freiraum, der den göttlichen Glanz von Jesus sichtbar werden ließ.

 

Kenne ich Situationen, in denen Misstrauen das Zusammensein störte?

 

Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist in ihm verherrlicht.

 

Bis zur Zerstörung des Jerusalemer Tempels war in der Vorstellung des jüdischen Volkes das Innerste des Tempels „erfüllt vom Glanz Gottes“. Für Johannes ist Jesus der unzerstörbare Tempel. In IHM wohnt die Herrlichkeit Gottes. Sie können jene erfahren, die ihm vertrauen. Durch die Hinwendung zu Christus wird die Gemeinde zum Freiraum für die Herrlichkeit Gottes.

 

Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger:Innen seid.

 

Die Liebe Jesu bedeutet Hingabe. Aus der Liebe, die er von Gott empfängt, engagiert er sich bis ans Äußerste für die anderen. So ist Liebe der Ort, wo sich der „göttliche Glanz“ zeigt. In uns und durch uns. Ein anderes Mal in 1 Joh 4, 10 wird betont, dass Gottes Liebe zu uns unserer Liebe zueinander vorausgeht.

 

Lieben können ist eine Gabe Gottes.

 

Verbunden-sein mit anderen in einer Weggemeinschaft in der Spur des Evangeliums kann uns ermutigen, liebende Menschen zu werden und zu bleiben.

 

Welche Weggemeinschaften helfen mir, liebend zu denken und zu handeln?

lockruf zum leben in fülle

warten auf den Morgen am 4. Mai 2022 in Zypern

 

 

4. Sonntag der Osterzeit LJ C (8. Mai 2022)

Evangelium des Johannes 10, 27 – 30

 

In jener Zeit sprach Jesus:

27 Meine Schafe hören auf meine Stimme;

ich kenne sie

und sie folgen mir.

28 Ich gebe ihnen ewiges Leben.

Sie werden niemals zugrunde gehen

und niemand wird sie meiner Hand entreißen.

29 Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle

und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen.

30 Ich und der Vater sind eins.

 

Einfach weiterdenken...

 

Drei Verse aus Joh 10, 1 – 21 können auf den Punkt bringen, wer Jesus für die ist, die ihm nachfolgen. Und wie „Nachfolge geht“. Immer geht es darum, das Evangelium mit unserem Leben zu verbinden. Das immer wieder an den Anfang gesetzte „in jener Zeit sprach Jesus“ möchte uns auf-horchen lassen. Was Jesus damals gesprochen hat, spricht der Christus jetzt: heute und wo immer wir das Evangelium hören oder teilen.

 

Wer mit Tieren zu tun hat, weiß um die Stimmigkeit der Worte Jesu.

Der Hund kennt die Stimme des Herrn/der Frau. Kühe lassen sich von der Stimme des Bauern locken. Deshalb bekommen Tiere oft einen Namen. Und der Klang des Lockrufs schafft Verbundenheit.

 

Vielleicht kann das Evangelium ein Lockruf zum Leben in Fülle sein.

 

Welches Wort von Jesus lockt mich zurzeit?

 

„hören“

 

...horchen ... auf-horchen ... nach außen und nach innen hören ... innehalten ... in Resonanz gehen und mich ansprechen lassen ... an-gesprochen werden

 

Die östlichen Weisheitswege und die christliche Mystik sind sich einig, dass hinter jedem Wort und jedem Klang ein großes Du/Es/Geheimnis wirkt, das uns in sich hineinnehmen und durch uns wirken möchte. Erfahrbar ist es mitunter im Verbunden-sein mit der Natur, in der Musik. Vor allem in der Liebe.

 

So kann Jesus sagen „Ich und der Vater sind eins“.

 

Wie versuche ich auf „die Stimme von Jesus zu hören“?

 

 

 

 

Morgenbegegnung...

 

 

3. Sonntag der Osterzeit LJ C (1. Mai 2022)

Evangelium des Johannes 21, 1 – 14

 

1 Danach offenbarte sich Jesus sieben Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.[1] 2 Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.

3 Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen.

Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot.

Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.

 

4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. 5 Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.

 

 6 Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.

7 Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr!

Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.

8 Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.

 

9 Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen. 10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt! 11 Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.

12 Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.

13 Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.

14 Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

 

Einfach weiterdenken

 

… am See von Tiberias … sagte Simon Petrus zu den anderen sechs: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit.

 

Hier, wo die Geschichte der Sieben mit Jesus einmal begonnen hatte, kehrt der Lebensmodus von damals zurück. Der Schock des Karfreitags scheint überwunden. Immer wieder sind auch wir versucht, die Zeiten von „damals“ herbeizusehnen: Vor der Pandemie, vor dem Krieg in der Ukraine sind aktuell vermeintliche Rettungsmuster. Wir spüren jedoch bald, wie untauglich diese Denkmuster sind. Wir müssen lernen, in der Gegenwart zu leben.

So auch die „verlassene Jünger:innengemeinschaft“.

 

Was sind für mich die jetzt anstehenden Lebensaufgaben?

Wie gelingt es mir, in der Gegenwart zu leben?

in dieser Nacht fingen sie nichts.

 

„Erfolg ist keiner der Namen Gottes“, ein Gedanke, der Martin Buber zugeschrieben wird, taucht auf. Ist dann vielleicht „Er-folg-losigkeit“ ein mögliches Fenster, durch das das Göttliche hereinscheint?

 

Jesus sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.

 

Manchmal braucht es den Anstoß, das bisher Gewohnte beiseite zu legen und anders zu denken, anders zu handeln. Die sieben Fischer klammerten sich nicht mehr an die Tradition:
Sie werfen das Netz auf der anderen Seite aus und das am Morgen.

 

Wo bin ich selber in Traditionen und überkommenen „Glaubensätzen“ gefangen, die mich behindern?

Wo spüre ich das im seelsorglichen Wirken?

Wo habe ich schon den Segen der „anderen Seite“ erfahren?

 

Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.

 

Nackt zu fischen war üblich. Doch weshalb wirft sich Petrus beim Bekenntnis des anderen Jüngers „Es ist der Herr!“ das Obergewand um? Warum will /kann er sich nicht mehr nackt zeigen?

Beim Anblick des Kohlenfeuers mag die Erinnerung an den Abend beim Kohlenfeuer da gewesen sein, wo er „diesen Menschen nicht kennen wollte“ und ihn „verraten“ hatte.

Beschämend! Diese Scham musste bedeckt werden!

 

Kenne ich solche mich beschämende Erinnerungen?

 

Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen. 10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt …

 

Was Jesus braucht ist schon da: Fisch und Brot. Die sechs legen aus dem prall gefüllten Netz das Ihre dazu. So eröffnet sich ein Miteinander. Und das anschließende Mahl lässt sie alle erkennen „Der kann nur der Christus sein, mit dem wir unterwegs waren, an den wir unser Herz gehängt haben, der uns die Füße gewaschen hat und der uns aufgetragen hat, miteinander Brot zu teilen!“

 

Wo wurden mir selber solche Erfahrungen zuteil?

Mit wem bin ich im Geiste Jesu gerne unterwegs?

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