mitgift...

 

 

14. Sonntag im Jkr. C (3. Juli 2022)

Evangelium des Lukas 10, 1 – 11

 

1 In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit vor sich her in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.

2 Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter:Innen. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter:Innen für seine Ernte auszusenden!

 

3 Geht!

 

Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.

 

4 Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe!

Grüßt (griech. aspatzein= eine Aufwartung machen) niemanden auf dem Weg.

5 Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus!

6 Und wenn dort ein Mensch des Friedens wohnt, wird euer Friede auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren.

 

7 Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, ist seines Lohnes wert. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes!

8 Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt.

 

9 Heilt die Kranken, die dort sind, und verkündet ihnen:

Das Reich Gottes ist auf euch (eph hymas) nahe herangekommen (engiken)!

 

10 Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann geht auf die Straße hinaus und ruft: 11 Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe herangekommen.

 

Einfach weiterdenken...

 

suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit vor sich her... Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter:Innen.

 

Groß ist die Ernte: Groß denken sollen die Ausgesandten von den Menschen und ihrem eigenen Auftrag. Auch die 72 deuten auf die Fülle hin (7+2=9). Für die 9 steht der Buchstabe „teth“ im Zeichen einer „offenen Gebärmutter mit Embryo“. Die Ausgesandten tragen dazu bei, dass das „Reich der Himmel zur Welt kommen kann“. Deshalb können sie verkünden „Das Reich Gottes ist auf euch (eph hymas) nahe herangekommen (engiken)!

 

Denke ich „groß“ genug von der Welt, meinen Mitmenschen, von meinen Möglichkeiten?

Was hindert mich daran?

 

 

„Mit-Gift“

 

Geht – ohne Geld, ohne Vorrat, ohne Schuhe...

 

Wagt das Risiko! Erinnert Euch an Mose: Ohne Schuhe ist jeder Ort für Euch „heiliger Boden“, wo ihr vom Göttlichen angesprochen werden könnt, und das selbst durch die Geringsten unter den Leuten.

 

Grüßt (griech. aspatzein= eine Aufwartung machen) niemanden auf dem Weg.

 

Seid freundlich unterwegs, lasst Euch nicht auf belanglose Unterhaltungen ein, verliert nicht das Ziel aus den Augen!

 

Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus!

 

Bis heute grüßen sich in Israel Leute mit „Shalom! Salam!“ Ein Wiedererkennen Jesu nach Ostern ist dieser Gruß. Das Wort trägt bis heute eine große Sehnsucht in sich, gerade in unseren Tagen. Auch „Friede soll durch die Ausgesandten zur Welt kommen“.

 

Eine Übung für uns könnte sein, auf der Straße, in der Stadt, im Bus, im Zug in der Stille für meinen „Nachbarn“ Shalom zu denken.

 

 

...ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe ... man euch nicht aufnimmt, dann geht auf die Straße hinaus und ruft: Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück.

 

Die Aufgabe der Abgesandten ist „keine gemähte Wiese“ und keine „sichere Weide“! Das „Schaf“ als „Bild für Gewaltlosigkeit“ ist in Gefahr durch das „Wölfische“ in Menschen und Systemen. Es geht darum, zu lernen, die „Verfluchungen/Ablehnungen“ abzuschütteln und sich nicht irritieren zu lassen.

Und nie zu vergessen: Die Botschaft „Das Reich Gottes ist nahe herangekommen!“ bleibt als Chance auch für die „Wölfischen“.

herz-mitte...

Bodenmosaik Jesuitenkirche Innsbruck

 

 

Herz-Jesu-Sonntag LJ C (26. Juni 2022)

Evangelium des Lukas 15, 3 - 7

In jener Zeit, 1 als viele Zöllner und Sünder zu Jesus kamen, empörten sich Pharisäer und Schriftgelehrte darüber und sagten: 2 Der da nimmt Sünder auf und isst sogar mit ihnen.

 

3 Da erzählte Jesus den Pharisäern und Schriftgelehrten dieses Gleichnis und sagte:

 

4 Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Wüste zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?

 

5 Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war!

 

7 Ich sage euch: Ebenso wird im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die keine Umkehr nötig haben.

 

Einfach weiterdenken...

 

Viele Leute erleben sich heute in ihrem Alltag „un-behaust“. Doch immer weniger suchen und finden in den kirchlich-religiösen Angeboten „Heimat“. Es mag sein, dass religiöse Strukturen über einen langen Zeitraum die „Sorgen und Nöte der Menschen von heute“ aus den Augen verlieren. Vielleicht war das auch im Judentum zurzeit Jesu so. Jesus bietet den Suchenden und Beladenen ein „Dach über ihre Seele“. Pharisäer und Schriftgelehrte erlebten sich dadurch „ent-machtet“. Ähnliches ereignet sich seit einiger Zeit auch in kirchlichen Handlungsfeldern – sowohl in oberen und unteren Ebenen.

 

Der da – Jesus - nimmt Sünder auf und isst sogar mit ihnen.

 

Die Evangelien bezeugen öfters Mahlgemeinschaften, bei denen „Zöllner und Sünder“ Gastfreundschaft mit Jesus pflegten und erlebten. Doch gibt es auch Essen, bei denen Pharisäer und Schriftgelehrte Gastgeber für Jesus waren. Jesus überschreitet Grenzen.

„Zöllner“ zählten für das jüdische Establishment zu Kollaborateuren der römischen Besatzer.

Sie arbeiteten für deren Zollsystem. „Sünder:Innen“ waren alle, die nicht in der Lage waren, die jüdischen Weisungen und Gesetze einzuhalten. Aus Unkenntnis und erschwerten Lebensbedingungen, eben „un-behaust“ im System „Tempel und Synagoge“.

 

...den Pharisäern und Schriftgelehrten erzählte Jesus dieses Gleichnis ... Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Wüste zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?

 

Ausgerechnet die „Arbeit der Hirten“ wählt Jesus als „Vorbild“! „Hirten“ waren in den Augen der Pharisäer und Schriftgelehrten „Sünder“. Ob Jesus ihr Herz erreichen konnte?

Das bleibt offen.

 

100 = 99+1. Wo die 1 fehlt ist das Ganze nicht komplett. Im Hebräischen steht für 100 der Buchstabe „Kof“. Laut Kabalistik beginnt mit 100 die Zukunft der Welt. Die steht noch aus.

Somit verkörpert die „Tätigkeit des Hirten“, der dem einen Schaf nachgeht einen Menschen, der sich für die Zukunft engagiert. In diesem Sinn ist Jesus „guter Hirte“. Er geht nach, sucht mit Ausdauer nach den Verlorenen. Ich selber darf auch dazu gehören!

 

 

...wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war!

 

Aktuell erleben viele Leute „Verluste“: Unsicherheit der finanziellen Mittel ... Krieg ... Umweltzerstörung ... Energieknappheit ... auch die kirchlichen Gemeinden verlieren Zugehörige

 

Da kann es wichtig sein, „Gefundenes“ ans Herz zu drücken, auf die Schultern zu heben und die Freude mit anderen zu teilen:

Wir Christ:Innen müssen lernen „davon zu erzählen, was uns leben lässt, was uns Halt gibt, wer Gott für mich ist, wie sie ihr Verbunden-sein mit Jesus erfahren!

 

Wo das „Gefundene“ Platz findet, ist das „Feiern“ keine Sonntagspflicht.

 

Was habe ich in letzter Zeit „gefunden“?

Wo kann ich davon erzählen?

Wo kann ich mich mit anderen festlich freuen?

 

...im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die keine Umkehr nötig haben.

 

Im Himmel, in den „Augen Gottes“, kehren sich irdische Maßstäbe um. So betrachtet sind wir als einsichtige „Sünder:Innen“ privilegiert! Es steht uns frei, umzukehren und umzudenken.

 

Die Auswahl obigen Evangeliums zum Herz-Jesus-Sonntag ist treffend. Die Herzmitte Jesu zeigt sich als Gastfreundschaft für Sünder:innen, als Suchen der Verlorenen, als Freude über das Gefundene. Möge das auch unsere Herzmitte werden.

durchkreuzt...

Skulptur von H.P. Gruber

12. Sonntag im Jkr. C (19. Juni 2022)

Evangelium des Lukas 9, 18 - 24

 

18 Und es geschah:

Jesus betete für sich allein und die Jünger waren bei ihm.

 

Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute?

19 Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden.

 

20 Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich?

 

Petrus antwortete: Für den Christus Gottes.

 

21 Doch er befahl ihnen und wies sie an, es niemandem zu sagen.

22 Und er sagte: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er muss getötet und am dritten Tage auferweckt werden.

 

23 Zu allen sagte er:

Wenn eine(r) hinter mir hergehen will, verleugne er/sie sich selbst, nehme täglich sein/ihr Kreuz auf sich und folge mir nach. 24 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.

 

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Jesus betete für sich allein und die Jünger:Innen waren bei ihm. Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute?

 

Die Jünger:Innen erleben Jesus im Gebet. Jesus ist bei ihnen und doch gleichzeitig bei sich selber. Jesus ist Gebet.

Friedrich Weinreb sagt:

„Mein Gebet, das bin ich ... Eben dieses Gebet, das ich selbst bin, bestimmt mein Verhalten.“

 

Aus dieser Erfahrung kommt die Frage „Für wen haltet Ihr mich? Wer bin ich für dich?“

 

Verbirgt sich in dieser Frage von Jesus nicht auch die innere göttliche Frage an uns/mich?

Vielleicht so:

Magst du mit mir verbunden sein?  Spürst du meine Gegenwart in deinem Leben?

 

Es ist eine besondere Gabe, in den Fragen des Lebens an mich das göttliche Suchen nach mir und seine „Stimme“ zu „hören“.

 

Die Antworten der Jünger:innen spiegeln den religiösen Hintergrund ihrer Zeit.

Verwurzelt in der jüdischen Glaubenswelt an die Propheten, an Elija und Johannes den Täufer. Sie zeigen auch das Suchen nach kurzen Bekenntnisformeln für den Gottesdienst: „Jesus, der Christus Gottes.“ Diese Worte reichen vorerst aus. Sie erinnern an den Menschen Jesus, in dem sich der von Gott gesalbte Messias offenbarte. Doch: Solche Formeln taugen nicht für alle Zeiten. Sie müssen hinein übersetzt werden in die sich wandelnden Lebenswelten.

 

Deshalb bin ich persönlich gefragt „Wer ist Jesus für mich?“

 

Wo es gelingt, andere an meinem persönlichen Glaubensbekenntnis teilhaben zu lassen, dort ereignet sich die Weggemeinschaft „Kirche“.

 

Wo habe ich einen Raum, von meinem Glauben zu erzählen?

 

Wenn eine(r) hinter mir hergehen will, verleugne er/sie sich selbst, nehme täglich sein/ihr Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten.

 

Der Weg Jesu setzt sich fort in denen, die in der Spur des Evangeliums leben und wirken. Das kann einschließen, den Durchkreuzungen nicht auszuweichen. Die „Lasten“ – Handykaps, Verluste, Krankheit, Begrenzungen – annehmen, sie nicht verfluchen.

 

„Leben verlieren“: Ich kann mich im Internet verlieren und mich dabei in Abhängigkeiten verstricken, die mein Leben „be-engen“.

 

Das „Leben verlieren um Jesus willen“:

Eine Spur könnten wir finden in den „Seligpreisungen des Evangeliums“: Einfachheit – Trauer – Wohlwollen – Hunger nach Gerechtigkeit – Barmherzigkeit – Herzensklarheit – Frieden stiften – mich aussetzen und mich einsetzen.

 

Kann ich von „Durchkreuzungen“ meines Lebens erzählen, durch die ich im Rückblick „Leben gewonnen habe“?

 

Geist der Wahrheit...

 

 

DREIFALTIGKEITSSONNTAG LJ C (12. Juni 2022)

Evangelium des Johannes 16, 1 – 3. 12 - 15

 

16,1 In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jünger:Innen:
Das habe ich euch gesagt, damit ihr keinen Anstoß nehmt.

2 Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten.

3 Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben.

 

12 Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. 13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten.

Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird reden, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.

14 Er wird mich verherrlichen;

denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.

15 Alles, was der Vater hat, ist mein;

darum habe ich gesagt:

Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

 

 

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...es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten

 

Die Gewaltausbrüche gegen Christ:Innen in Nigeria mit über hundert toten Kindern, Frauen und Männern während des Pfingstgottesdienstes zeigen die Aktualität. Rund um die Erde werden Christ:Innen bedroht, angeklagt von willkürlichen Unrechtssystemen und hingerichtet.

 

Ein wirklich „heiliger Dienst“ für diese Geschwister im Glauben kann sein:

Im persönlichen und gemeinschaftlichen Gebet für sie einstehen und/oder Plattformen von Hilfsorganisationen nutzen.

https://www.amnesty.at

https://www.kircheinnot.at

 

 

...der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird reden, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.

 

Für unbekannte Gegenden ist ein Kompass hilfreich. Wir brauchen auch einen „inneren Kompass“, um geistige Klarheit und lebenstaugliche Entscheidungen zu treffen. Das Evangelium nennt diesen inneren Kompass „Geist der Wahrheit“.

Der Mystiker Eckhart entdeckte als hilfreichen Weg das Gebet in dieser Form:

„Ich sitze und schweige und höre, was GOTT in mir redet.“

In mir ereignet sich ein göttlicher Dialog. Im Schweigen und Lauschen können wir in diesen göttlichen Dialog einschwingen und gewahr werden, wie wir in rechter Weise leben sollen.

Für diesen „göttlichen Dialog“ entwickelte die theologische Sprache den Begriff „Dreifaltigkeit“. Der innere göttliche Dialog ereignet sich als Hören des Sohnes auf den Vater. Die verbindende Kraft zwischen Vater und Sohn nennt das Evangelium Geist.

Wo Menschen im Hören aufeinander leben und wirken, lassen sie den inneren göttlichen Dialog durchscheinen. Das Bekenntnis zum dreifaltigen Gott wird dort greifbar, wo wir aufeinander zugehen und im Dialog nach Lösungen wichtiger Aufgaben suchen.

 

Wie gelingt es mir, nach innen zu hören? Welche Erfahrungen habe ich damit?

 

Wo kann ich den Dialog mit anderen einüben und praktizieren?



 



 

 

 

 

 

 

 

 

plötzlich...

 

PFINGSTSONNTAG LJ C (5. JUNI 2022)

AUS DER APOSTELGESCHICHTE

 

Nachdem Jesus in den Himmel aufgenommen war, kehrten die Jünger:Innen nach Jerusalem zurück. Sie gingen in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben. Dort verharrten sie einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

 

2, 1 Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort.

2 Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.

 

3 Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden/jede von ihnen ließ sich eine nieder.

 

4 Und alle wurden von der Heiligen Geistkraft erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.

 

5 In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder/jede hörte sie in seiner Sprache reden.

 

7 Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten:

Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?

8 Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:

9 Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien, 10 von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, 11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber – wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

 

12 Alle gerieten außer sich und waren ratlos.

Die einen sagten zueinander: Was hat das zu bedeuten?

13 Andere aber spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken.

 

Einfach weiterdenken...

 

Das Pfingstfest war ursprünglich ein bäuerliches Dankfest nach der Weizenernte. Im Laufe der Zeit wurde es in den Tempelkult integriert. 50 Tage nach dem ersten Paschafesttag kamen viele Wallfahrer:Innen nach Jerusalem, um Gott zu danken.

 

Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.

 

Überraschend und nicht geplant wurde die kleine Gruppe aufgeweckt. Durcheinander gewirbelt innen. Erfüllt von Sturm das Innere des Hauses und ihr Inneres. Erdbebenähnlich vielleicht. Dem nicht genug! Sie wurden befeuert und entflammt. Sie konnten in ungewohnten Sprachen reden. Nichts war mehr wie bisher. So beschreibt Lukas die Widerfahrnis der göttlichen Geistkraft.

 

Kenne ich das?

Wofür brenne ich?

Wie finde ich mich zurecht unter Leuten, die ich sprachlich nicht verstehe?

 

 

Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder/jede hörte sie in seiner Sprache reden.

 

Ob in Rom auf dem Petersplatz, in Medjugorje, in Lourdes, Fatima, Assisi oder Taize‘.

Überall finden Leute unterschiedlicher Sprachen eine gemeinsame Weise, miteinander zu feiern, zu danken und zu füreinander einzustehen. Entscheidend ist das Verbunden-sein im Wohlwollen füreinander und im Vertrauen auf Gott/Jesus.

 

Kenne ich solche Erlebnisse?

Vielleicht auch in meiner Umgebung?

 

Auch Musik ist eine Sprache: Eine Frau aus unserer Gruppe erzählte von einem Konzert mit Timna Brauer. In verschiedenen Sprachen intonierte sie Gesänge. Die Konzerteilnehmer:Innen schenkten ihr tosenden Applaus. Es war ihr gelungen, in der Sprache des Herzens zu singen und sich mit den Anwesenden zu verbinden.

 

... wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

 

Dankbarkeit ist offensichtlich auch eine Sprache, die ankommt und jenseits unserer eignen Muttersprache verstanden wird. Die sonntägliche Eucharistiefeier könnte einen Raum eröffnen, wo durch den Dank der einzelnen eine „Klangwolke der Dankbarkeit“ entsteht.

 

Wo finde ich Räume, mit anderen eine „Klangwolke der Dankbarkeit“ entstehen zu lassen?

 

 

7. Sonntag in der Osterzeit LJ C (29.Mai 2022)

Evangelium des Johannes 17, 20 - 26

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel

und betete:

20  Heiliger Vater, ich bitte nicht nur für diese hier,

sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben.

21  Alle sollen eins sein:
Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin,

sollen auch sie in uns sein,
damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.

22  Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast,

damit sie eins sind, wie wir eins sind,
23 ich in ihnen und du in mir.
So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt,

dass du mich gesandt hast
und sie ebenso geliebt hast, wie du mich geliebt hast.

24 Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin.

Sie sollen meine Herrlichkeit sehen,
die du mir gegeben hast,
weil du mich schon geliebt hast vor Grundlegung der Welt.

25  Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt
und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast.

26  Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun,

damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und ich in ihnen bin.

 

Einfach weiterdenken...

Im Johannesevangelium findet sich ein Herzensgebet. Es geht um das Innerste des Christusgeschehens. Es wird vom Evangelisten gezielt platziert vor dem Hinausgehen zum Ölgarten und der Auslieferung.

Was sind die Herzenswünsche Jesu an den Vater?

alle sollen eins sein

„die Welt soll glauben können, dass er von Gott gesandt ist“

„sie sollen meine Herrlichkeit sehen

„unsere Liebe soll in ihnen sein

Alle Wünsche und Hoffnungen sind Ausdruck der inneren Einheit zwischen Jesus und seinem GOTT, den er Vater nennt. Jesus wünscht und hofft, dass seine eigene Gotteserfahrung und sein eigenes Verbunden-sein mit dem Abba-Gott zu einer Erfahrung für alle Menschen wird.

Zeichen können sein...

Ein-sein als erfahrbares Verbunden-sein mit allen/allem (geistige /kosmische Globalisierung).

Christus glauben und vertrauen können.

Die göttliche Herrlichkeit entdecken auf dem Weg der Achtsamkeit und im Staunen.

Lieben können und geliebt werden.

Welche Herzenswünsche trage ich in mir?

Leere - Stille - Mitte

 

 

6. Sonntag der Osterzeit LJ C (22. Mai 2022)

Evangelium des Johannes 14, 22 – 29

 

In jener Zeit fragte Judas - nicht der Iskariot:

Herr, wie kommt es, dass du dich nur uns offenbaren willst und nicht der Welt?

 

23 Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten;

mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.

 

24 Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.

 

25 Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.

 

26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird,

der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

 

27 Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch.

 

Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.

28 Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch.

Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich.

29 Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt.

 

Einfach weiterdenken...

 

Die Abschiedsreden des Johannesevangeliums sind für die Jünger:innengemeinden der zweiten Generation und für uns geschrieben: Sie wollen ermutigen, die Botschaft in der Zeit ohne den irdischen Jesus zu leben. Johannes versucht, die Worte von damals zu „ver-heutigen“ und in die aktuelle Situation zu „über-setzen“.

 

In jener Zeit fragte Judas...

 

Es ist eine vor allem in den christlichen Basisgemeinden des Südens bewährte Methode, zuerst die Fragen der Menschen zu sammeln und dann das Evangelium zu befragen, wie es jetzt unser Handeln unterstützen kann. So kann gesagt werden: Das erste Wort ist das Leben. Sein zweites, die Bibel, kann uns helfen, das Leben zu verstehen und sinnvoll zu gestalten.

 

Welche Lebensfragen beschäftigen mich aktuell?

 

... wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen

 

„Geschaffen nach Gottes Bild“ dachte das Erste Testament den Menschen ... bewohnt vom Vater und Christus nennt das Evangelium das Wesen des Menschen: Diese Grundbegabung verwirklicht sich in der Liebe.

 

... Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten...

 

Sich an das Wort des Evangeliums halten und sich an ihm orientieren bedeutet lieben.

Und das Wort ist der Christus.

Mit dem Vorwort des Evangeliums ausgedrückt:

In IHM, dem Logos-Wort, ist das Leben und das Licht.

 

Wir können in uns „Raum schaffen“ für das Wort.

Dazu kann es hilfreich sein, unser vielfach besetztes Inneres zu entleeren.

 

Bert Brecht benennt es so:

 

„Geh ich zeitig in die Leere,

komm ich aus der Leere voll.

Wenn ich mit dem Nichts verkehre,

weiß ich wieder, was ich soll.“

 

Die Weisheitslehre des Ostens und die christliche Mystik nennen die Leere „Stille“.

In der Stille kann sich auch Friede ausbreiten und Ruhe.

 

Und in dieser Stille/im Leereraum ereignet sich die göttliche Geistkraft, die uns alles lehren und uns an alles erinnern wird, was ER uns jetzt sagen will.

Überschrift

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