9. Okt, 2020

Eingeladen...

Mt 22,1 -14: Eingeladen 

Bibel am Telefon mit Ingrid, Anita, Maria, Gabi, Albert, Petra, Marlene, Cäcilia und Sabine 

Folgende Begriffe stimmen uns auf die Bibelstelle ein und eröffnen den Raum für unsere Erfahrungen:

Gast sein – eingeladen sein

Berufen, gerufen sein

A scheans Gwand anhaben

Stumm bleiben beim Angesprochen sein

 

Der Gedanke eingeladen zu sein, spricht an: Wir kennen die Freude über eine Einladung, wenn sie uns etwas bedeutet, die Vorfreude und die Überlegungen dazu: Wie kommen wir hin? Was bringen wir mit? Was ziehe ich an? Wen werde ich dort kennenlernen oder wiedersehen?

Aber es gibt auch Einladungen, die man gerne ausschlagen möchte. Wenn man keine Beziehung zu den dort anwesenden Menschen hat, wenn es nur darum geht, die Etikette zu erfüllen oder man sich fehl am Platz erlebt, dann werden solche Einladungen oft als anstrengend und unangenehm erlebt 

Berufen und gerufen zu sein: Manchmal ist es sehr anstrengend, immer verantwortlich zu sein, bzw. sich verantwortlich zu fühlen. Es tut gut, sich nicht immer als berufen zu erleben und sich auch Zeiten der Ruhe und Entspannung (Auszeiten) zu ermöglichen. Eine Religionslehrerin erinnert sich an den Beginn ihrer Ausbildung.

 

A scheans Gwand anziehen: Schöne Schuhe wollen getragen werden, es hat keinen Sinn, alles nur für einen ganz besonderen Augenblick im Kasten zu vergraben. Sich für jemanden schön anziehen - eine schöne Kleidung, ein schönes Äußeres bei einem festlichen Anlass verstehen sich als ein Zeichen der Wertschätzung. In einer eintönigen, sterilen Umgebung können sie als besondere Bereicherung, als ein „Augenschmaus“ erlebt werden. Sonntagskleid oder Anzug heben den Tag gegenüber den Werktagen hervor.

 

Stumm bleiben beim Angesprochen werden: Macht nervös und irritiert (War ich zu leise? Habe ich mich schlecht ausgedrückt? Kann mich der andere vielleicht nicht verstehen? Bin ich ihm/ihr unsympathisch?) Ich komme nicht an mit meinem Versuch Beziehung zu leben. Wenn man stumm bleibt, weil man den anderen bewusst abblitzen lässt, verweigert man jegliche Kommunikation und Beziehung. Kann auch Ausdruck von Scham sein.

 

Entdeckungen zur Bibelstelle:

Die eingeladenen Gäste sind vorbereitet, sie hatten Zeit genug, sich darauf vorzubereiten und kennen den Gastgeber und seinen Sohn. Sie haben aber offensichtlich keine Beziehung zu ihm und daher auch keine Freude über die Einladung. Im Grunde scheint es sie nicht zu interessieren. 

Jesus erzählt das Gleichnis der religiösen Oberschicht – er hält ihnen einen Spiegel vor. 

Wir wissen, wie es sich anfühlt, wenn man jemanden eingeladen hat und derjenige nicht kommt: Irritation, Wut, Ärger und Verletzung werden spürbar. Wir können gut nachfühlen, wie es dem König geht, aber die ganze Stadt in Schutt und Asche zu legen, erleben wir als eine übertriebene Reaktion.

Der Evangelist hat die vermutlich die Zerstörung Jerusalems vor Augen. 

Es kann sein, dass am Eingang für alle Gäste von der Straße ein Hochzeitsgewand ausgeteilt wurde, d.h. alle hatten die Möglichkeit, dieses besondere Gewand anzuziehen. Vielleicht ist dieses besondere Gewand vielmehr als ein Ausdruck der Beziehung und der inneren Einstellung zu verstehen. Im Nachdenken fiel uns das Taufgewand ein und die Bibelstelle „Ihr habt Christus angezogen.“ Und so steht das Hochzeitsgewand für eine innere Einstellung, Haltung und Beziehung zu Gott. Es ist unsere Entscheidung. Wir haben die Möglichkeit, die Einladung Gottes ernst zu nehmen und wahrzunehmen. Wir alle sind gerufen, die Einladung zum Himmelreich zu begreifen und zu ergreifen. 

Für die zuerst eingeladenen Gäste war diese Einladung bedeutungslos und wertlos. Die Freude und das Feiern haben in ihrem Leben keinen Platz. Mit ihrem Fernbleiben haben sie sich selbst die Chance auf ein anderes – ein lebensbejahendes Miteinander genommen und auch das Heulen und Zähneknirschen sind so zu verstehen – als eine selbstgewählte Beziehungslosigkeit und völlige Isolation von allem, was uns leben lässt und lebendig macht.