3. Jul, 2020

Ruhe finden für die Seele

"Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende." (Fernando Sabino)

Bibel am Telefon vom 30.06.2020 mit Anni, Irmi, Ingrid, Sabine und Petra und am 2. Juli mit Klara, Albert, Gabi und Petra

Evangelium des Matthäus 11,25-30

In der Bibelstelle begegnen uns die Worte unmündig, Joch und demütig, die uns zum Nachdenken und Weiterdenken herausfordern. Was bedeuten diese Worte für uns, worauf weisen sie uns hin?

Unmündig sein: abhängig sein, hilflos, unselbständig, auf andere angewiesen, rechtlos, klein, unbeachtet, ein Kind, sorglos, nicht belangbar, wenig Mitspracherecht, bedeutungslos, wenig sozialen Status, schützenswert, braucht Fürsprecher, kann nicht für sich selber sprechen, unbeschwert, leicht, unter Sachwalterschaft stehen

Joch: schwer zu tragen, der Rücken tut weh, eine Hilfe, um Lasten zu tragen, die Last wird ausgeglichener, Arbeitstier, kann abgenommen werden, wird von jemandem aufgelegt, Arbeit mit Tieren auf dem Acker, zur Verteilung der Lasten auf den Schultern, vor der Arbeit einspannen, nachher abspannen, ErntehelferInnen

Demütig sein: „Mut“ steckt im Wort, das Gegenteil von hochnäsig, Bodenständigkeit, geerdet sein, vgl. das lateinische Wort humilitas (Humus – Erde), Franziskus, Dienmut – Mut zum Helfen, Mutter Teresa, Blickrichtung auf den Boden, der einen trägt, anderen Vorrang gewähren, innere Größe, wird eher Frauen als Männern zugeschrieben und führt(e) oft zur Unterordnung

Jesus nimmt die Unmündigen ernst und beachtet sie. Im Gegensatz zur religiös gebildeten Schicht Israels sind sie offen für die Lehre Jesu und seine Form der Gottesbeziehung (Abba). Die Klugen und Weisen meinen, alles besser zu wissen, aber es gibt ein Wissen, eine Weisheit und einen Zugang zu Gott jenseits von Bildung und Logik. Kinder können staunen und von etwas intensiv berührt sein. Sie können sich dem Einfachen öffnen, in dem sich das Göttliche besonders offenbart. Jesus war salopp gesagt „ein Netzwerker“ – sein Anliegen war es, Menschen miteinander zu verbinden im Sinne von liebevollen Beziehungen. Es sind viele Beziehungen angesprochen, die hin und hergehen - zwischen Vater und Sohn, zwischen uns und ihnen.

Das Dagegen Sein, mein Widerstand bindet viel Kraft - das Ja-Sagen- Können, das Bejahen, das eigene Einverständnis- dazu- geben-Können schafft Freiraum.

Jesu Einladung zu ihm zu kommen, ist eine totale Einladung  - diese Einladung  geht an alle, die beladen sind und es schwer haben. Was kann erquickt werden bedeuten?

Vielleicht fühlt es sich so an, wie, wenn man einen 12 kg schweren Rucksack nach einer langen Pilgerstrecke am Abend abnimmt und plötzlich ein Gefühl der Leichtigkeit hat, ein Gefühl zu fliegen. Da stellt sich auch die Frage, muss ich meine Lasten Tag und Nacht tragen oder kann ich auch einmal eine Pause machen?

Jesus ist von Herzen demütig – die Demut ist also eine Lebenshaltung, die nicht nur für Frauen gilt! Wenn wir von Jesus lernen, wohlwollend(= gütig) und bodenständig (= demütig) zu sein, dann können wir im Herzen Ruhe finden. Eine wohlwollende, bodenständige Haltung kann uns helfen, manches leichter zu nehmen von dem, was uns im Leben zugemutet wird. Und Lasten werden noch schwerer, wenn wir sie nicht annehmen und nicht Ja sagen können zu dem, was uns aufgebürdet wird.

Wir haben die Zusage Jesu, dass wir Ruhe finden können für unsere Seele. Wir haben sein Vorbild und er weist uns die Richtung. Es braucht kein Studium, um sich Gott zu öffnen und manchmal erschwert zu viel theoretisches Wissen auch den Zugang zu ihm. Was es braucht, ist einen mystischen Zugang, so wie ihn Kinder noch haben:

Sie können sich - getragen von Vertrauen und im Wahrnehmen der eigenen Bedürftigkeit - voll und ganz dem Leben und dem Augenblick öffnen.

Sabine Antonitsch