...die welt entgiften

Pfarrkirche Schwaz

 

 

Fest KREUZERHÖHUNG 2019

Lesung Buch Numeri 21 4 – 9

Evangelium Joh 3, 13 - 17

Heute versuchen wir, die innere Verbindung zwischen der Lesung und dem Evangelium sichtbar zu machen. Die Erzählung des Alten (Ersten) Testaments ist im Umfeld der Heimatferne im Exil gewachsen. Die Leute brauchten Ermutigung und sollten neu lernen, dem HERRN zu vertrauen.

Das Volk aber verlor auf dem Weg die Geduld,
es lehnte sich gegen Gott und gegen Mose auf
und sagte: 
Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Etwa damit wir in der Wüste sterben?
Es gibt weder Brot noch Wasser
und es ekelt uns vor dieser 
elenden Nahrung. 

Da schickte der HERR Feuerschlangen unter das Volk. Sie bissen das Volk und viel Volk aus Israel starb.   Da kam das Volk zu Mose
und sagte: Wir haben gesündigt, denn wir haben uns gegen den 
HERRN und gegen dich aufgelehnt. Bete zum HERRN, dass er uns von den Schlangen befreit!
Da betete Mose für das Volk. Der H
ERR sprach zu Mose: Mach dir eine Feuerschlange und häng sie an einer Stange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht   Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Stange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben. 

Die Leute verloren die Geduld; stellten das bisherige Leben in Frage; innerer Ekel griff um sich. Und da „die Feuerschlangen“! Alles war vergiftet: Die Beziehungen untereinander und das Vertrauen auf GOTT. Da brach die Einsicht auf: „Wir haben gesündigt!“ Wir haben die Welt vergiftet; wir haben die giftigen Feuerschlangen verursacht. Wir brauchen die Fürbittkraft des Mose. Und der setzte ein Zeichen: Wer zur Kupferschlange an seinem Stab aufblickte blieb am Leben.

Wie gleicht doch die Situation des Volkes der aktuellen Weltlage! Feuerschlangen und brennende Amazonaswälder; Vergiftung der äußeren Atmosphäre und der globalen politischen Lage. Die Feuerschlangen durch „fake-news“ im Internet und die menschlichen Abwertungen im parteipolitischen Werben um Wählerstimmen.

Wie kommen wir heraus aus den vergifteten „Schlangengruben“?

Zuerst durch die Einsicht und das Bekenntnis „wir haben /ich habe gesündigt“. Es gilt, den eigenen Teil der Verantwortung ernst zu nehmen.

Dann durch Menschen, die „beten“, die für andere eintreten, die gesündigt haben und ihre Verantwortung nicht wahrnehmen. 

Und jetzt die Botschaft des Evangeliums in Joh 3 als Hoffnungsfenster, wie wir aus den fremd- und selbstverschuldeten „Schlangengruben“ herausfinden können.

In jener Zeit sprach Jesus zu Nikodémus: 

Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn.  Und wie Mose die Schlangein der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohnerhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigenSohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. 

Unsere Hoffnung ist Christus. Es reicht nicht, zu ihm in den unzähligen Bildern und Darstellungen  aufzuschauen wie in der Wüste auf die Kupferschlange des Mose. Es geht darum, IHM zu glauben/zu  vertrauen. Die bewusste Entscheidung, mit Christus verbunden zu leben. Immer im Bewusstsein, dass „jede*r, die/der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ 

Und dabei die persönliche Verantwortung für die „Entgiftung“ der Welt zu übernehmen.

nackt glauben...

23. Sonntag im Jkr. C (8. September 2019)

Evangelium des Lukas 14, 25 – 33

 

25 In jener Zeit
begleiteten viele Menschen Jesus; da wandte er sich an sie 26 und sagte: 

Wenn jemand zu mir kommt 

und nicht Vater und Mutter,
Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet,
dann kann er nicht mein*e Jünger*in sein. 

28   Wer nicht sein Kreuz trägt und hinter mir hergeht, der kann nicht mein Jünger sein. 

28 Denn wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin
und berechnet die Kosten,ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? 29 Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten 30 und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen. 

31    Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin
und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? 32  Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. 

32   Ebenso kann keiner von euch mein*e Jünger*in sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet. 

 

Einfach weiterdenken...

Wenn jemand zu mir kommt... es war eine bunte Schar, die die Nähe von Jesus suchte; manche begegneten IHM auf dem Weg, in den Städten, bei Gastmählern; etliche gingen eine Zeit mit IHM von Ort zu Ort; und es gab den engeren Kreis von Frauen und Männern, die seine Lebens- und Glaubensüberzeugung mittrugen und auf unterschiedliche Art unterstützten; einige wenige, die trotz Bedrohung durch Mächtigere am letzten Wegabschnitt bis zum Tod es bei IHM aushielten und sich darüber hinaus IHM verbunden glaubten, sodass unerwartet Neues zu wachsen begann

Jünger*in sein...

Jesus redet zu jenen, die mit IHM ohne Abstriche unterwegs sein wollen, in klaren Worten, ohne um den Brei herumzureden. 

-       die familiäre Herkunft und die damit verbundenen Bande „gering achten“

-       das eigene Kreuz tragen

-       auf den ganzen Besitz verzichten

Trotz aller Versuche, durch „Übertragungen“ in zeitgemäße Sprache oder durch umdeutendes Abschleifen der Kanten bleibt die Erwartung von Jesus „ein Stachel“.

In jeder Beziehung sind Anziehung und Unverständnis, Faszination und Enttäuschung ineinander verwoben, gleichzeitig oder ungleichzeitig. Wessen Herz offen ist, dessen Herz ist verletzlich!

Fragen an mich selber...

Woher nehme ich meinen persönlichen Wert? Verstehe ich mich zuerst von meiner familiären Herkunft, Verwandtschaft und der gegenwärtigen Familie her? Wer wäre ich ohne sie? 

Habe ich Erfahrung mit dem eigenen Kreuz? Aktuell? Während der zurückliegenden Jahre? War/ ist es Fluch? Oder kenne ich auch Anteile des Segens?

Meine Besitztümer können vielfältig sein: Alles, was über den notwendigen täglichen Bedarf („tägliches Brot“) hinausgeht, nennt die Bibel Besitz/Reichtum. Davon kann ich selber in Besitz genommen werden.

Fragen an mich als Teil des „Systems“ Kirche...

Wer wäre ich ohne Eingebunden-sein in die kirchlichen Strukturen? Traue ich mir zu trotzdem in der „Christus-verbundenheit“ leben zu können?

Ist meine Zugehörigkeit zur aktuellen Verfassung der Kirche ein Kreuz? Bin ich bereit, es zu tragen? 

Die Kirche als religiöses System ist im Laufe der Geschichte reich an Besitztümern geworden: Nicht nur Gebäude und Kunstschätze. Auch Wissen und Gebote, Dogmen und Gottesdienstregeln sind Besitztümer. Sie alle können uns in Besitz nehmen und uns überheblich machen gegenüber anderen Religionen, Andersdenkenden und Andersgläubigen, nachdenklichen Atheisten. Das hindert uns, voneinander zu lernen.

Vielleicht kann gesagt werden: Um wirklich „glauben und vertrauen“ zu können, muss ich „nackt“ werden und dabei die „Besitz-Kleider“ ablegen. Dann erst wird sichtbar, wer ich als Glaubende*r bin. Des Christen „neue Kleider“ sind „nacktes glauben und vertrauen auf Christus/GOTT“.

...Ehre und Armut

22. Sonntag im Jkr. C (1. September 2019)

Evangelium des Lukas 14, 1. 7 – 14

1 Jesus kam an einem Sabbat
in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen. 

7 Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätzeaussuchten, sagte Jesus zu ihnen: 8 Wenn du von jemandem zu einer Hochzeit eingeladen bist, nimm nicht den Ehrenplatz ein! 

Denn es könnte ein anderer von ihm eingeladen sein, der vornehmer ist als du, 9 und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen. 

10 Vielmehr, wenn du eingeladen bist,
geh hin und nimm den untersten Platz ein, damit dein Gastgeber zu dir kommt
und sagt: Mein Freund, rück weiter hinauf

Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen. 

11 Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt,
und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. 

12 Dann sagte er zu dem Gastgeber:
Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, lade nicht deine Freunde oder deine Brüder und Schwestern, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich wieder ein, und dir ist es vergolten. 

13 Nein, wenn du ein Essen gibst,
dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. 

14 Du wirst selig sein,
denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten. 

Einfach weiterdenken...

„Ehrenplatz“...

Es gibt Leute, die frei sind vom Wunsch, jemand Besonderer sein zu müssen. Sie leben aus einer unsichtbaren Kraftquelle von Selbstwertgefühl. Anderseits erleben sich viele aufgewertet, wenn sie in der Nähe berühmter und hochgeschätzter Persönlichkeiten sein dürfen. 

 

Woher kommt mein persönliches Selbstwertgefühl?

Kommt es von innen aus mir selber?

Oder von außen durch Anerkennung durch Mitmenschen und Institutionen?

 

Kenne ich Situationen von fehlendem Selbtbewusstsein oder Wertschätzung?

...lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten. 

Gastfreundschaft hat im biblischen Denken einen sehr hohen Stellenwert. Deshalb hat Jesus zum gemeinsamen Essen geladen und er ließ sich gerne einladen. Auch die Eucharistie ist ein Gastmahl. Leider wurden im Laufe der Zeit viele Bedingungen an die Teilnahme geknüpft. So gerät das Ideal des Evangeliums aus dem Blick. Manchmal ist es gut, uns selbst in Erinnerung zu rufen, dass wir selber vor Gott arm, verkrüppelt, lahm und blind sind – und dennoch willkommen. Das sollte die eine und einzige Zugangsbedingung zur Eucharistie sein, ganz im Sinne der Seligpreisung „Selig, die arm sind vor Gott und mit leeren Händen kommen, denn ihnen gehört das Himmelreich.“

Wo spüre ich meine innere Armut? Was hindert mich am Leben? Was kann/will ich nicht sehen?

zu tisch geladen...

 

 

21. Sonntag im Jkr. C (25. August 2019)

Evangelium des Lukas 13, 22 – 30

In jener Zeit
zog Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte. 

Da fragte ihn einer:
Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? 

Er sagte zu ihnen:
Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; 

denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. 

Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt und ihr draußen steht,
an die Tür klopft und ruft: Herr, mach uns auf!, dann wird er euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid. 

Dann werdet ihr anfangen zu sagen:
Wir haben doch in deinem Beisein gegessen und getrunken und du hast auf unseren Straßen gelehrt. 

Er aber wird euch erwidern:
Ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan! 

Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein, wenn ihr seht, dass Abraham, Ísaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid. 

Und sie werden von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.  Und siehe, da sind Letzte, die werden Erste sein, und da sind Erste, die werden Letzte sein. 

Einfach weiterdenken...

Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem lehrte...

 

Begegnungen mit Zustimmung und Ablehnung mögen hinter Jesus liegen. Und seine Berufung, Menschen für eine persönliche Entscheidung für das Reich Gottes zu gewinnen, spitzt sich immer mehr zu. Führt der Weg in den Abgrund?

 

Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?

Erinnern wir uns an die Frage des wohlhabenden Mannes „Was muss ich tun, um in das Reich Gottes zu gelangen?“ Jesus verweist ihn und den Fragenden/die Fragende auf dem Weg nach Jerusalem auf sich selber. „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen!“

Maßgebliche Männer und Frauen haben im Laufe der Geschichte des Christentums hingewiesen, dass es kein Privileg der Rettung gibt. Schon der Tempel hatte einen „Vorhof der Heiden“, den alle Interessierten/Suchenden betreten konnten. Die Versuchung wurde immer größer, die formelle Zugehörigkeit zur Religion als Absicherung zu verstehen. Die Propheten und Jesus kritisierten diese Einstellung. Dietrich Bonhoeffer forderte ein „religionsloses Christentum“, um die Verflochtenheit von Politik und Religion aufzulösen. Der Dalai Lama wünscht sich mehr Ethik als Religion. Tomas Halik möchte, dass Christi*nnen in den Dialog mit den Atheisten eintreten und von ihnen lernen. Glaube ist nicht gleichzusetzen mit Zugehörigkeit zu einer Religion. Glaube meint „vertrauen“ und „Weggemeinschaft mit Christus“. Das ist die „enge Tür“ der Christus-Nachfolge. Denn „alle stehen draußen vor der Tür zum Reich Gottes“.

Wo lassen sich zurzeit Zeichen der Hoffnung finden, die die innere Einstellung über die äußere Zugehörigkeit zu einem religiösen System stellen, selbst auf die Gefahr eines Verlusts von Einfluss hin?

Was hilft mir, durch die „enge Tür des Glaubens“ zu gehen?

Mit wem stehe ich „draußen vor der Tür zum Reich Gottes“ lernend, hörend und suchend?

Und sie werden von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.  Und siehe, da sind Letzte, die werden Erste sein, und da sind Erste, die werden Letzte sein. 

Bereits die Propheten benannten das Hoffnungsbild der Völkerwanderung zum Gottesberg Zion. Sie gerieten wie Jesus zwischen die Mühlsteine des religiösen Establishments, das um seinen Einfluss fürchtete. Es ist eine spannende Vorstellung, wer aller wohl am „Tisch des Reiches Gottes“ sitzen wird.

Ob ich selbst dazugehören werde?

Ob ich zu den Letzten oder Ersten gehören werde, das bleibt offen. Doch hoffen will ich, irgendwo am Tisch des Reiches Gottes einen Platz zu erlangen.