dranbleiben an Christus

Jakobs nächtlicher Ringkampf - Menora in Jerusalem - Foto Albert Pichler

 

 

Christ-Königs-Sonntag 2019

Evangelium des Lukas 23, 35 – 43

In jener Zeit
[35a stand das Volk dabei und schaute zu bei der Kreuzigung Jesu.] 35b Auch die führenden Männer verlachten Jesus 

und sagten: Andere hat er gerettet,
nun soll er sich selbst retten,
wenn er der Christus Gottes ist, der Erwählte. 

36  Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin,
reichten ihm Essig 37  und sagten:
Wenn du der König der Juden bist, dann rette dich selbst! 

38  Über ihm war eine Aufschrift angebracht: Das ist der König der Juden. 

39  Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Christus? 

Dann rette dich selbst und auch uns! 

40  Der andere aber wies ihn zurecht und sagte:
Nicht einmal du fürchtest Gott? 

Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. 

41  Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. 

42  Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst! 

43  Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.

Einfach weiterdenken...

Ich erinnere mich daran, dass Lukas sein Evangelium als Ermutigung für die vielseitig bedrängte junge christliche Gemeinde um 70 n. Chr. geschrieben hat. Die im vorliegenden Abschnitt genannten Personengruppen – „führende Männer“ und „Soldaten“ – sind Stellvertreter der Bedrohung.

Und in allem drängt sich die Frage auf: „Wer ist Jesus?“

Lukas nutzt die Szene der Kreuzigung, selbst durch die Worte der Feinde Jesu dessen Bedeutung sichtbar zu machen: ...andere hat er gerettet ... der erwählte Christus Gottes ... König der Juden ...

Ungewollt werden Gegner zu Verkündern.

Ich achte auf die zwei Mitgekreuzigten: 

Der eine verhöhnt Christus und erwartet gleichzeitig Hilfe. Der zweite wird – obwohl Verbrecher - zum Vorbild für die bedrängten Christ*innen. Von ihm können sie (wir?) lernen, wie Christus für sie (uns) zum Retter wird. 

Der Weg der Rettung – sichtbar im mitgekreuzigten Verbrecher:

Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten.

Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst! 

Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.

Rettung durch Christus beginnt bei der Einsicht in die eigene Schuld. Wer bereit ist, Verantwortung für das eigene Leben und die persönlichen Irrwege zu übernehmen, verabschiedet sich aus der Komfortzone, selbst nur Opfer zu sein. Die persönliche Bedürftigkeit bekommt gebührenden Raum; aus der Bedürftigkeit kommt die Bitte an Jesus „Denk an mich!“ 

Einsicht – Verantwortung – persönliche Bedürftigkeit – Vertrauen auf Jesus lassen ahnen, wie sich Paradies zeigt. „Heute“, nicht morgen oder erst nach dem Sterben können wir den „Retter Christus“ erfahren.

Dranbleiben lernen...

Die christliche Gemeinde des Lukas musste unter widrigen Umständen lernen, am Glauben an Christus Jesus dranzubleiben. Mitunter gleicht dieser Weg einem inneren nächtlichen Ringkampf, wie es Jakob am Fluss - siehe Bild oben -  erlebt hat. Er blieb dran und ließ nicht los, ehe er gesegnet wurde. Christsein bedeutet auch, Gott / Christus nicht loszulassen ehe wir seinen Segen erlangt haben.

ÜBER - LEBEN

Tiroler Sonntag am 7. Nov. 2019

 

 

33. Sonntag im Jkr. C (17. November 2019)

Evangelium Lk 21, 5 – 18

In jener Zeit, 5  als einige darüber sprachen, dass der Tempel
mit schön bearbeiteten Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus: 6  Es werden Tage kommen, an denen von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleibt, der nicht niedergerissen wird. 

7  Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen und was ist das Zeichen, dass dies geschehen soll? 

8  Er antwortete: Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten  und sagen: Ich bin es! und: Die Zeit ist da. – Lauft ihnen nicht nach! 9  Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch nicht erschrecken! Denn das muss als Erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort. 

10  Dann sagte er zu ihnen: Volk wird sich gegen Volk und Reich gegen Reich erheben. 11  Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen. 

12  Aber bevor das alles geschieht,
wird man Hand an euch legen und euch verfolgen. Man wird euch den Synagogen und den Gefängnissen ausliefern, vor Könige und Statthalter bringen um meines Namens willen.

13  Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können. 

14  Nehmt euch also zu Herzen,
nicht schon im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen; 15  denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, sodass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können. 16  Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern und manche von euch wird man töten. 17  Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden. 18  Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden. 19  Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.

Einfach weiterdenken... 

Das Evangelium des Lukas wurde nach der Zerstörung Jerusalems um 70 n. Chr. verfasst: Die Ruinen der Stadt und des Tempels waren der noch jungen Lukas-Gemeinde vertraut und die ersten Konflikte mit den Synagogengemeinschaften sorgten für Schrecken und Ungewissheit, wie es für die Jesus-Jünger*innen weitergehen kann.

Kommt das Ende der Welt? 

Was sollen wir tun?

Was auf den ersten Blick und beim ersten Hören des Evangeliums eher für Verwirrung sorgt, erweist sich beim achtsamen Hin-durch-schauen und Hin-durch-hören doch als Ermutigung zum Leben:

Gebt acht, dass man euch nicht irreführt! ...nicht schon im Voraus für eure Verteidigung sorgen; denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben. Und es wird euch kein Haar gekrümmt werden. Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.

In dieser Mischung aus eigenem Handeln und Vertrauen, von GOTT/Christus begleitet zu werden, ereignet sich „christliches Zeugnis“. Nicht als moralische Verpflichtung, sondern als Lebenseinstellung, dass es trotz ALLEM ÜBEL das unzerstörbare Leben („Haar“) in mir gibt. Aus solchem Vertrauen konnte Carl Lampert vor 75 Jahren der Enthauptung durch die Nazis ins Auge schauen. Viktor Frankl über-lebte so das Konzentrationslager. Oder die unbekannte kurdische Frau in einem Lager in Nordsyrien hat sich entschieden, jedem, der zu ihrer Notunterkunft kommt, zu helfen – unabhängig ob syrische oder türkische Miliz. 

Welches Hoffnungswort kann ich aus dem Evangelium für mich in den Alltag mitnehmen?

Es werden Tage kommen, an denen von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleibt, der nicht niedergerissen wird.

Das Wort „templum“ wird im Lateinischen auch für den „menschlichen Leib/Körper“ verwendet. Unser Leib signalisiert uns mitunter die Vergänglichkeit und Vorläufigkeit sehr deutlich. Wie die Blätter ihre Farben wandeln, so auch unser Leib. Das ist manchmal schwer zu bejahen. Auch in diesem Prozess brauchen wir Ermutigung.