lernen wie jesus...

Foto Albert Pichler 2016

 

 

3. Sonntag im Jahreskreis C

Evangelium des Lukas 1, 1 – 4 und 4, 14 - 21

 

1,1 Schon viele haben es unternommen, eine Erzählung über die Ereignisse abzufassen, die sich unter uns erfüllt haben.

2 Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren.

3 Nun habe auch ich mich entschlossen,

nachdem ich allem von Beginn an sorgfältig nachgegangen bin,

es für dich, hochverehrter Theóphilus,

der Reihe nach aufzuschreiben.

 

4 So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest.

 

4,14 In jener Zeit kehrte Jesus, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend.

15 Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen.

 

16 So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge.

Als er aufstand, um vorzulesen,

17 reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesája.

Er öffnete sie und fand die Stelle, wo geschrieben steht:

 

18 Der Geist des Herrn ruht auf mir;

denn er hat mich gesalbt.

Er hat mich gesandt,

damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe;

damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde

und den Blinden das Augenlicht;

damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze

19 und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.

 

20 Dann schloss er die Buchrolle,

gab sie dem Synagogendiener und setzte sich.

Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.

21 Da begann er, ihnen darzulegen:

Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.

 

Einfach weiterdenken...

Lukas erklärt am Beginn des Evangeliums, was ihn bewogen hat, über die Ereignisse mit und um Jesus von Nazaret zu schreiben. Er tut es, um für seinen hochgeschätzten Timotheus die Zuverlässigkeit seiner bisherigen Einführung in die Jesus-Nachfolge zu „unter-mauern“. Lukas ist einer von „vielen“ und er recherchiert bei Augenzeugen. Vielleicht ist Lukas wie andere vor ihm ein „Diener des Wortes“.

 

Wer sind für mich auf meinem Glaubensweg maßgebliche „Diener:innen des Wortes“ gewesen?

Für wen bin ich „Diener:in des Evangeliums“?

 

In jener Zeit kehrte Jesus, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück.

 

In der Taufe (3,21 – 22) wird Jesus zugesagt „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen.“ In der Wüste (4,1 – 13) wird er auf die Probe gestellt. Die Taufe und die Zeit in der Wüste machen deutlich, werJesus ist: Der von G’tt Geliebte und der von der göttlichen Geistkraft Erfüllte.

 

Das Geschehen in der Synagoge von Nazaret...

 

Es lohnt sich, die Szene achtsam zu betrachten. Die ruhige Dramatik führt vom Vertrauten zum Aha des „heute“ am Schluss.

 

Jesus wird vom Synagogendiener die Jesaja-Schriftrolle überreicht; Jesus rollt sie auseinander; er hat keinen Leseplan, die Stelle Jes 61 fällt ihm einfach zu.

Und nach dem Lesen geht die ruhige Dramatik weiter: Jesus schließt die Rolle, gibt sie dem Diener zurück und setzt sich. In diesen wenigen Augenblicken ereignet sich eine Entdeckung, die Jesus klar macht, wozuer, der G’tt Geliebte und von göttlicher Geistkraft Erfüllte, da ist.

 

Kenne ich für maßgebliche Worte der Bibel, die mir ins Herz und ins Gedächtnis eingeschrieben sind?

 

Worin erkenne ich meine Berufung?

Wozu bin /möchte ich von Nutzen sein?

 

Lukas zeigt uns Jesus als „Lernenden“.

Schritt für wächst er in seine Berufung hinein.

Zuerst in de Erfahrung „wer er ist“, dann „wozu er da ist“.

wein-reich

 

 

2. Sonntag im Jahreskreis C (16. Jänner 2022)

Evangelium des Johannes 2, 1 – 12

 

 

In jener Zeit 1 fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt

und die Mutter Jesu war dabei.

2 Auch Jesus und seine Jünger:innen waren zur Hochzeit eingeladen.

 

3 Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm:

Sie haben keinen Wein mehr.

4 Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau?

Meine Stunde ist noch nicht gekommen.

5 Seine Mutter sagte zu den Dienern:

Was er euch sagt, das tut!

6 Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge,

wie es der Reinigungssitte der Juden entsprach;

jeder fasste ungefähr hundert Liter.

7 Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser!

Und sie füllten sie bis zum Rand.

8 Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt

und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist!

Sie brachten es ihm.

9 Dieser kostete das Wasser,

das zu Wein geworden war.

Er wusste nicht, woher der Wein kam;

die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es.

Da ließ er den Bräutigam rufen

10 und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst,

wenn die Gäste zu viel getrunken haben,

den weniger guten.

Du jedoch

hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt.

11 So tat Jesus sein erstes Zeichen,

in Kana in Galiläa,

und offenbarte seine Herrlichkeit

und seine Jünger:innen glaubten an ihn.

[12 Danach zog er mit seiner Mutter, seinen Brüdern und seinen Jüngern

nach Kafarnaum hinab.

Dort blieben sie einige Zeit.]

 

Einfach weiterdenken...

 

Der Evangelist Johannes erweist sich als Theologe und Poet. Als Poet macht er sichtbar. Als Theologe lenkt er in die Tiefe.

 

Leser:innen und Hörer:innen seines Evangeliums lernen mit ihm den „zweiten Blick“ auf das Christusereignis. Sichtbar wird das in Joh 2, 1 -12 mit „Tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger:innen glaubten an ihn.“

Das Ereignis in Kana ist „Zeichen“, in Kana scheint „die göttliche Dimension durch“, denen zugänglich, die glauben und vertrauen.

Kana ist einerseits ein konkreter Ort in Galiläa, Kana meint darüber hinaus einen „inneren Erfahrungsraum“, wo das Göttliche im Irdisch-Menschlichen erfahren wird.

 

Ich kann mich an eigene „Kana-Erfahrungen“ erinnern.

Ich kann mich an Momente erinnern, wo sich mir im Menschlichen das „Himmlische“ offenbart hat.

 

Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm:

Sie haben keinen Wein mehr.

4 Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau?

Meine Stunde ist noch nicht gekommen.

5 Seine Mutter sagte zu den Dienern:

Was er euch sagt, das tut!

 

Auf den ersten Blick scheint der Umgang von Jesus mit seiner Mutter „ruppig“. Maria, die – anders als der Festmanager – als einzige den „ausgehenden Wein“ wahrnimmt, zeigt eine bemerkenswerte Sicherheit, dass Jesus „eingreifen kann“. So wendet sie sich selbstbewusst an die Diener. Doch Jesus „braucht noch Zeit und scheint noch nicht in der Lage zu sein, einzugreifen.“ Er zeigt sich zuwartend und auch lernend.

 

Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser!

Und sie füllten sie bis zum Rand.

8 Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt

und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist!

 

Die Szenerie steigert sich: Jetzt ergreift Jesus die Initiative und bindet die Diener ein.

Diese trauen sowohl Maria als auch Jesus. Sie füllen die sechs Behälter bis zum Rand voll.

Eine gewaltige Menge: 600 Liter. Die „sechs“ ist in der kabbalistischen Weisheitssymbolik ein Hinweis für das Zusammenwirken von G’tt und Mensch.

 

Der Festmanager kostete das Wasser,

das zu Wein geworden war.

Er wusste nicht, woher der Wein kam;

die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es.

 

Ein Lob den Dienern!

Zuerst von Maria und Jesus einbezogen in die „Rettungsaktion Hochzeitsfest“ sind sie die einzigen, die „ein-sahen und verstanden“ (griech. >eidein<), was sich ereignet hatte.

 

Mit diesen Dienern will Johannes seinen Leser:innen sagen:
Lass dich (von Jesus) in Dienst nehmen und erkenne den tieferen Sinn!

wenn sich der himmel auftut...

Morgenhimmel im Alpachtal - A. Pichler

 

 

Fest der Taufe des HERRN (9. Jänner 2022)

Evangelium des Lukas 3, 15 - 22

 

In jener Zeit 15

war das Volk voll Erwartung

und alle überlegten im Herzen,

ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei.

 

16 Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort:

Ich taufe euch nur mit Wasser.

Es kommt aber einer, der stärker ist als ich,

und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.

Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.

 

21 Es geschah aber, dass sich zusammen mit dem ganzen Volk

auch Jesus sich taufen ließ.

 

Und während er betete,

öffnete sich der Himmel,

22 und der Heilige Geist

kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab,

und eine Stimme aus dem Himmel sprach:

Du bist mein geliebter Sohn,

an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

 

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In jener Zeit war das Volk voll Erwartung...

 

Auffallend viele Silvester-Feuerwerke erleuchteten bei dieser Jahreswende den Himmel. Waren sie vielleicht zum Himmel geschickte Erwartungen für das neue Jahr?

 

Welche Erwartungen trage ich in mir?

Für mich? Für andere? Für die Welt?

 

Lukas verschränkt in seinem Evangelium mehrmals das Wirken von Johannes und Jesus:

 

Elisabeths Erfahrung bei der Begegnung mit Maria in Ain Karim nennt den Jesus im Mutterleib „Herrn“. Elisabeth gebar Johannes sechs Monate vor der Geburt von Jesus durch Maria.

 

In der Kathedrale von Vezelay wird der Innenraum am 24. Juni vom Sonnenlicht genau im Mittelgang erleuchtet. 6 Monate später erhellt die Sonne den gesamten Raum.

 

Mit Johannes geht die göttliche Sonne halb auf, mit Jesus ganz.

 

Johannes tauft mit Wasser, Jesus mit Heiliger Geistkraft und Feuer.

Johannes ruft mit seiner Taufe zur Änderung der Lebenseinstellung im Sinne der Tora‘,

durch Jesus werden wir erfüllt mit göttlicher Geistkraft und Liebesfeuer.

Jesus stellt sich mit den Umkehrwilligen in eine Reihe.

 

Jesus lässt sich von Johannes ganz untertauchen in das Irdische: Er hielt nicht daran fest, G’tt gleich zu sein. Er wurde uns Menschen gleich und erniedrigte sich.

 

Du bist mein geliebter Sohn,

an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

 

In Lk 2, 40 – nach der Beschneidung Jesu – fasst der Evangelist zusammen „Das Kind wuchs heran und wurde stark, erfüllt mit Weisheit und G‘ttes Gnade ruhte auf ihm.“ Über den Zwölfjährigen lesen wir in Lk 2, 52 nach der Bar Mizwafeier „Er wuchs heran und seine Weisheit nahm zu und er fand Gefallen bei G’tt und den Menschen.“

 

Nach und nach wächst in Jesus die Erfahrung von G’tt mit Wohlgefallen umfangen zu sein.

Im Taufgeschehen wird für Jesus „hör-bar“, von G’tt geliebt zu sein.

 

Wie ein unsichtbarer unterirdischer Strom zieht sich für Jesus das Vertrauen durch, bei G’tt mütterlich und väterlich mit Wohlgefallen getragen zu sein.

 

Kann ich mit Blick auf meine eigene Lebensgeschichte einen unsichtbar wirkenden Liebesstrom erkennen?

 

Es lohnt sich, im eignen Leben nach dem göttlichen Wohlgefallen zu suchen.

 

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