CHRISTUS - TrägerIn werden...

 

 

PALMSONNTAG 2020 LJ A

Evangelium des Matthäus 21, 1 - 11

 

1 Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte und nach Bétfage am Ölberg kam, schickte Jesus zwei Jünger aus 2 und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los und bringt sie zu mir! 3 Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen. 4 Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist: 5 Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers. 6 Die Jünger gingen und taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte. 7 Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie und er setzte sich darauf. 8 Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. 9 Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna (Hoschiah na = ach HERR bring doch Rettung vgl. Ps 118, 25) dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! 10 Als er in Jerusalem einzog, erbebte die ganze Stadt und man fragte: Wer ist dieser? 11 Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.

 

Einfach weiterdenken...

Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.

 

Nirgendwo sonst in den Evangelien begegnen wir Jesus reitend. Zu Fuß geht er. Er braucht Kontakt mit der Erde. Seine Entscheidung, für die Ankunft in Jerusalem eine Eselin zu nutzen, ist ein mehrfaches Zeichen. Matthäus verknüpft es mit dem Propheten Sacharja. Mit Jesus beginnt die messianische Friedenszeit. Und: Die Eselin, das weibliche Muttertier, trägt Jesus wie Maria Jesus in ihrem Schoß getragen hat und wie sie unter dem Kreuz den toten Jesus auf ihrem Schoß trägt. Mütterlich und bergend getragen ist Jesus.

 

In dieser ungewöhnlichen Zeit der Krise, legt uns dieses Zeichen eine Spur, wie wir persönlich 2020 den Palmsonntag vollziehen können. Es geht darum, selber zu „Christus-TrägerInnen“ zu werden. Und die bergende Energie denen zuzuwenden, in denen uns der Christus als geringster Bruder und geringste Schwester begegnet.

 

Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna (= ach HERR bring doch Rettung vgl. Ps 118, 25) dem Sohn Davids!

 

Der Einzug von Königen und Machthabern geschah hoch zu Ross. Der Ruf „Hosanna“ ist doppeldeutig. Denn die Leute wussten nie so genau, ob mit der Ankunft Segen oder Fluch verbunden war. Das hebräische „Hoschiah na“ zeigt sowohl Bitte als auch Verehrung an.

 

Als er in Jerusalem einzog, erbebte die ganze Stadt...

 

Dreimal wird von Matthäus im Rahmen der Ereignisse der Osterfestwoche das Wort „erbeben“ verwendet. Hier beim Einzug, in der Stunde des Todes (27,51), am Grab (28,4).Was hier geschieht, bringt alles Bisherige ins Wanken! So der rote Faden.

 

Welches „Erbeben“ spüre ich in der aktuellen Weltsituation?

Was kann ich in ihm erkennen?

Was kann sich daraus für die Zukunft ergeben?

kraft der liebe & kraft des zorns

 

 

5. Sonntag der österlichen Bußzeit LJ A (29. März 2020)

Evangelium des Johannes 11, 1 - 45

In jener Zeit 

1  war ein Mann krank, Lázarus aus Betánien,
dem Dorf der Maria und ihrer Schwester Marta. 

2  Maria war jene, die den Herrn mit Öl gesalbt
und seine Füße mit ihren Haaren abgetrocknet hatte; 

deren Bruder Lázarus war krank. 

3  Daher sandten die Schwestern Jesus die Nachricht: 

Herr, sieh: Der, den du liebst, er ist krank. 

4  Als Jesus das hörte,
sagte er: Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Verherrlichung Gottes. Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden. 

5  Jesus liebte aber Marta, ihre Schwester und Lázarus. 

6  Als er hörte, dass Lázarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt.
7  Danach sagte er zu den Jüngern:
Lasst uns wieder nach Judäa gehen. 

8  Die Jünger sagten zu ihm:
Rabbi, eben noch suchten dich die Juden zu steinigen und du gehst wieder dorthin?

9  Jesus antwortete: Hat der Tag nicht zwölf Stunden? Wenn jemand am Tag umhergeht, stößt er nicht an, weil er das Licht dieser Welt sieht; 10  wenn aber jemand in der Nacht umhergeht, stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist. 

11  So sprach er. 

Dann sagte er zu ihnen:
Lázarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken. 

12  Da sagten die Jünger zu ihm: Herr, wenn er schläft, dann wird er gesund werden. 

13  Jesus hatte aber von seinem Tod gesprochen, während sie meinten, er spreche von dem gewöhnlichen Schlaf. 

14  Darauf sagte ihnen Jesus unverhüllt: Lázarus ist gestorben. 15  Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt. Doch wir wollen zu ihm gehen. 

16  Da sagte Thomas, genannt Dídymus – Zwilling –,  zu den anderen Jüngern:
Lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben! 

17  Als Jesus ankam,
fand er Lázarus schon vier Tage im Grab liegen. 

18  Betánien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt. 

19  Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. 

20  Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen

Maria aber blieb im Haus sitzen. 

21  Marta sagte zu Jesus:
Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. 22  Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. 

23  Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. 

24  Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird 

bei der Auferstehung am Jüngsten Tag. 

25  Jesus sagte zu ihr: 

Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, 26  und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?

27  Marta sagte zu ihm:
Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll. 

28  Nach diesen Worten ging sie weg,
rief heimlich ihre Schwester Maria
und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich rufen. 

29  Als Maria das hörte,
stand sie sofort auf und ging zu ihm. 

30  Denn Jesus war noch nicht in das Dorf gekommen; er war noch dort, wo ihn Marta getroffen hatte. 

31  Die Juden, die bei Maria im Haus waren und sie trösteten, sahen, dass sie plötzlich aufstand und hinausging. Da folgten sie ihr, weil sie meinten, sie gehe zum Grab, um dort zu weinen. 

32  Als Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie ihm zu Füßen und sagte zu ihm: 

Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. 

33  Als Jesus sah, wie sie weinte 

und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert. 

34  Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? 

Sie sagten zu ihm: Herr, komm und sieh! 

35  Da weinte Jesus. 

36  Die Juden sagten:
Seht, wie lieb er ihn hatte! 

37  Einige aber sagten:
Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb? 

38  Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt
und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war. 

39  Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, sagte zu ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag. 

40  Jesus sagte zu ihr:
Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? 

41  Da nahmen sie den Stein weg. 

Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. 

42  Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. 

43  Nachdem er dies gesagt hatte,
rief er mit lauter Stimme: Lázarus, komm heraus! 

44  Da kam der Verstorbene heraus;
seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: 

Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen! 

 

45  Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.

Anregung: 

-       Ich lese allein – oder mit anderen – das Evangelium. Die dick gedruckten Wörter helfen dabei, Abschnitte besonders zu beachten.

 

-       Ich mache mich mit den handelnden Personen vertraut: 

Jesus – Marta – Maria – die Jünger – die Juden im Haus der Maria und Marta – Lazarus 

 

Ich achte auf ihre Fragen, Einwände, Sorgen ...

Ich achte auf ihre Gefühle ... welche sind mir vertraut?

 

Einfach weiterdenken... 

Als Jesus ankam, fand er Lázarus schon vier Tage im Grab liegen.

Die Zahl vier bedeutet „wirklich gestorben“. Für die vier steht im Hebräischen der Buchstabe „DALETH“; er gleicht einer „offenen Tür“. Dazu die Botschaft „Es gibt einen Ausgang, jetzt kann Neues beginnen!“

 

Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.

Marta und Maria denken dasselbe. Vorwurf und Enttäuschung in einem. Andere sagten „hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?“

 

Einer der 99 Namen Gottes im Islam heißt „der Verweigernde“. In seiner Auslegung schreibt David Steindl-Rast „Wie oft haben wir im Nachhinein sehen können, wie gut es für uns war, dass uns verweigert wurde, was wir uns erhofften und worum wir beteten.“ (Tyrolia-Verlag, S. 46)

 

Jesus sah, wie Marta weinte ... Jesus liebte Marta, ihre Schwester und Lázarus ... da weinte Jesus ... war im Innersten erregt und erschüttert ... brüllte (griechisch „ekraugase“) Jesus mit lauter Stimme: Lázarus, komm heraus!

Selten werden so viele Gefühle in einem Evangelientext benannt wie hier. Liebe, Zorn, Wut sind eng miteinander verknüpft. Sie sind Energien, die andere aus dem Gefängnis des Todes herausrufen können. 

Und Gefängnisse gibt es genug: Nicht nur die Ausgangsbeschränkungen und Isolationsmaßnahmen während der Corona-Epidemie; das Elend der Flüchtlinge zwischen der Türkei und Griechenland darf nicht vergessen werden. 

Dazu eine Nachricht aus Deutschland - Aus: Die ZEIT Nr. 13/2020 - über eine zornige Pfarrerin: Um Haltung ging es der evangelischen Pastorin Annette Behnken, als sie kürzlich ein provokantes Wort zum Sonntag sprach. Wie geht ein Christ damit um, dass Menschen in Griechenland ins Meer geprügelt und Kinder mit Tränengas beschossen werden? Das fragte Behnken die TV-Zuschauer am Abend des 7. März, nun ja, indirekt. Sie kleidete ihre Verzweiflung in, nun ja, sehr provokante Worte. Man müsse die „Parlamente stürmen, in denen Neofaschisten sitzen und uns in Schreckstarre verfallen lassen“, sagte Behnken. Ihre Meinung zu Europa? „Mit Verlaub, ich könnte kotzen.“ Vieles an Behnkes Ansprache war eine Überraschung: Das Vokabular ist weder kirchentypisch noch Hausgebrauch in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.

 

Behnken ist mit Jesus am Grab des Lazarus in guter Gesellschaft.

 

Werden „wir“ trotz Corona-Virus noch „zornig“ genug bleiben, damit die „Flüchtlinge“ eine menschenwürdige Behandlung erfahren?

der innere weg der heilung

 

 

4. Sonntag der österlichen Bußzeit LJ A (22. März 2020)

Evangelium des Johannes 9, 1 – 41

91 Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. 2 Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde? 3 Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden. 4 Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann. 5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. 6 Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen 7 und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Das heißt übersetzt: der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen. 8 Die Nachbarn und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? 9 Einige sagten: Er ist es. Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es. 10 Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden? 11 Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte sehen. 12 Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht. 13 Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. 14 Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. 15 Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Er antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen und ich wusch mich und jetzt sehe ich. 16 Einige der Pharisäer sagten: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. 17 Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann sagte: Er ist ein Prophet. 18 Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des von der Blindheit Geheilten 19 und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr sagt, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sieht? 20 Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. 21 Wie es kommt, dass er jetzt sieht, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen! 22 Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Christus bekenne, aus der Synagoge auszustoßen. 23 Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt ihn selbst! 24 Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. 25 Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehe. 26 Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet? 27 Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt etwa auch ihr seine Jünger werden? 28 Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose. 29 Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt. 30 Der Mensch antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet. 31 Wir wissen, dass Gott Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. 32 Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat. 33 Wenn dieser nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können. 34 Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus. 35 Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn. 36 Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube? 37 Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen; er, der mit dir redet, ist es. 38 Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder. 39 Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die nicht Sehenden sehen und die Sehenden blind werden. 40 Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind? 41 Jesus sagte zu ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.

 

Einfach weiterdenken...

Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war.  Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt?

Wenn das Leben aus den gewohnten Bahnen läuft, beginnt häufig die Suche nach Schuldigen. Jesus durchbricht diese Schuldlogik. Er erkennt im Handicap des Mannes einen Auftrag Gottes an sich selber.

Welchen Auftrag erkenne ich in der derzeitigen Corona-Krise?

 

Jesus spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen  und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach!

Jesus handelt am blinden Mann und nimmt ihn gleichzeitig in Verantwortung für den Weg der Heilung.

 

Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.

Doch jetzt beginnt der lange Weg der inneren Heilung. Sehend mit den Augen, muss er lernen auf eigenen Füßen zu stehen und einstehen für seine Überzeugung. Denn niemand ist in Sicht, der ihn unterstützt. Im bisherigen System gibt es keinen Platz mehr.

 

Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn.  Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube?  Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen; er, der mit dir redet, ist es.  Er aber sagte: Ich glaube, Herr!

Nach allen Anschuldigungen und dem Hinauswurf aus der bisherigen Gemeinschaft das Bekenntnis „Ich glaube, Herr!“

Die innere Heilung ist vollzogen!

 

Am Ende die Frage an uns selber:

Wie wäre ich mit dem plötzlich Sehenden umgegangen?

Hätte ich ihm geglaubt?

Erkenne ich bei mir die pharisäische Versuchung "zu sehen und doch blind zu sein"?

 

Hintergrund:

Jesus und seine JüngerInnen halten sich zum herbstlichen Laubhüttenfest in Jerusalem auf. Es dauerte eine Woche. Dabei wurden im Tempel Wasser- und Lichtrituale vollzogen. Das Wasser wurde aus dem nahen Teich Schiloah am unteren Ende der Davidstadt geholt. Am Abend wurden große Lichter entzündet.

Zur Zeit der Abfassung des Johannesevangeliums waren bereits viele Jesus-Jünger-Gemeinden aus den Synagogengemeinschaften ausgeschlossen.

begegnung mit tiefgang

Ikone geschrieben von Kurt Dander aus Jenbach
- Foto Albert Pichler

 

 

3. Sonntag der österlichen Bußzeit LJ A (15. März 2020)

Evangelium des Johannes 4, 5 - 42

So kam er zu einer Stadt in Samarien, die Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.6 Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. 7 Da kam eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! 8 Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. 9 Die Samariterin sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um etwas zu trinken bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern. 10 Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. 11 Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? 12 Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden? 13 Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; 14 wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt. 15 Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen! 16 Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann und komm wieder her! 17 Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. 18 Denn fünf Männer hast du gehabt und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt. 19 Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist 20 Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss. 21 Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. 22 Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. 23 Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. 24 Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. 25 Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der Christus heißt. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden. 26 Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, der mit dir spricht. 27 Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen. Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach, doch keiner sagte: Was suchst du? oder: Was redest du mit ihr? 28 Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen, kehrte zurück in die Stadt und sagte zu den Leuten: 29 Kommt her, seht, da ist ein Mensch, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Christus? 30 Da gingen sie aus der Stadt heraus und kamen zu ihm. 31 Währenddessen baten ihn seine Jünger: Rabbi, iss! 32 Er aber sagte zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt. 33 Da sagten die Jünger zueinander: Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht? 34 Jesus sprach zu ihnen: Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu vollenden. 35 Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte? Sieh, ich sage euch: Erhebt eure Augen und seht, dass die Felder schon weiß sind zur Ernte 36 Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben, sodass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen. 37 Denn hier hat das Sprichwort recht: Einer sät und ein anderer erntet. 38 Ich habe euch gesandt zu ernten, wofür ihr euch nicht abgemüht habt; andere haben sich abgemüht und euch ist ihre Mühe zugutegekommen. 39 Aus jener Stadt kamen viele Samariter zum Glauben an Jesus auf das Wort der Frau hin, die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. 40 Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage. 41 Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte. 42 Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Rede glauben wir, denn wir haben selbst gehört und wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.

 

Einfach weiterdenken...

Ich nehme mir Zeit die beigefügte Ikone zu betrachten. Ich achte auf die verbindenden Farben in der Kleidung von Jesus und der Frau, auf die Ausrichtung der Augen, auf die Hände, auf Wasser im Brunnen und den Baum. 

Ich kann mich in die Szene hineinbegeben. Wo möchte ich sein, um gut zu sehen und zu hören?

 

...das Evangelium eine Ikone: Das meditative „Schreiben“ einer Ikone erfolgt in vielen achtsamen Schritten. Das Auftragen der Farben braucht viel Geduld. Die einzelnen Schichten sind für den/die „EndbetrachterIn“ nicht mehr alle ersichtlich. Die Texte des Johannesevangeliums gleichen einer Ikone. Es geht darum, im Lesen und Meditieren Schicht für Schicht freizulegen. Der „göttliche Aspekt“ der Ikone wird durch die Vergoldung bewusst. Im Evangelium geht es um die Gegenwart des Göttlichen in Jesus – „Er ist wirklich der Retter der Welt.“

Schichten...

Eine Frau will Wasser aus dem Brunnen schöpfen; Jesus hat Durst und bittet sie um Wasser. Aus einem alltäglichen Vorgang entsteht ein Dialog über das innere Leben. Die Frau spürt: Im Leben geht es um mehr als Wasser aus dem Brunnen. Über den Dialog mit Jesus lernt sie zu ihrer Lebenssituation Ja zu sagen und davon zu erzählen. Sie bekommt eine Ahnung von der göttlichen Kraft, die durch Jesus wirkt. Sie lässt den Krug beim Brunnen stehen und macht sich auf den Weg ins Dorf. Andere sollen wie sie selber Jesus kennenlernen. Und die Leute kommen auf ihr Wort hin zu Jesus. Und dann auch zum Glauben an ihn.

Kann ich mich an ungeplante Begegnungen mit Tiefgang erinnern?

Die Begebenheit ereignet sich in Samarien. Juden und Samaritaner hatten ihren eigenen Tempel. (Der Jerusalemer Tempel war zur Zeit der Johannes-Gemeinde schon zerstört.) Jesus spricht über „die Stunde, die kommt und schon da ist, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.“

In der Begegnung am Jakobsbrunnen ist ein geistiger Tempel entstanden. Und für die Gemeinde des Johannes war Christus selbst der Tempel Gottes. Wer mit IHM verbunden lebt, braucht keinen Tempel mehr. 

Die Jünger hatten Essen besorgt. Sie waren verwundert, dass Jesus in aller Öffentlichkeit mit einer Frau sprach. Damals ein „no go“. Jesus versucht den Jüngern wie der Frau zuvor ihren Blick auf den tieferen Hunger im Lebenzu weiten. 

Wonach hungert meine Seele? Was nährt mich?

Aus jener Stadt kamen viele Samariter zum Glauben an Jesus auf das Wort der Frau hin: Die „namenlose Frau“ aus Samarien wurde durch die Begegnung mit Jesus zur Verkünderin des Evangeliums. Sie steht für die vielen uns nicht namentlich bekannten Frauen rund um die Erde, die aus innerer Überzeugung das Evangelium von Christus leben und verkünden. 

Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und Jesus blieb dort zwei Tage.

Jesus lässt sich auf die Suchenden ein. Er lässt sie an sich teilhaben.

Wo sich Suchende aufeinander einlassen und den Dialog wagen wächst das Evangelium.

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