an-gesehen

Christus-Ikone geschrieben von Albert Pichler

 

 

2. Sonntag im Jahreskreis B (17. Jänner 2021)

Evangelium des Johannes 1, 35 - 42

 

Am Tag darauf stand Johannes wieder dort und zwei seiner Jünger standen bei ihm. 36 Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes!

37 Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. 38 Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, sagte er zu ihnen: Was sucht ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister - , wo wohnst du? 39 Er sagte zu ihnen: Kommt und seht! Da kamen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde.

40 Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. 41 Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden - das heißt übersetzt: Christus. 42 Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen, das bedeutet: Petrus, Fels.

 

Einfach weiterdenken...

 

Am Tag darauf...

Zuvor in Joh 1, 32 – 33 wurde Johannes bei der Taufe von Jesus die Erfahrung zuteil, dass auf IHN der Geist vom Himmel herabkam und auf IHM blieb.

 

Seht, das Lamm Gottes!

Im Evangelium des Johannes taucht die Erinnerung an den Gottesknecht in Jes 53,7 auf: Mein Knecht – misshandelt und niedergestreckt – tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das man zu Schlachten führt. Jesus trägt die Züge dieses Knechtes. Johannes bezeugt den Tod Jesu für den Rüsttag vor dem Paschafest, an dem auf dem Tempelplatz die Paschalämmer geschlachtet werden. Christus Jesus ist das Paschalamm par excellence.

 

...folgten Jesus

Aus der Ersterfahrung des Täufers mit Jesus und seinem Wort „Seht das Lamm Gottes!“ werden zwei seiner Weggefährten von Neugierde gepackt. Schnell entschlossen gehen sie Jesus nach. Intuitiv ahnen sie Großes.

 

Welche Neugierde ist zurzeit in mir lebendig?

 

Jesus wandte sich um...

Johannes „blickt auf den vorübergehenden Jesus“; sich umwendend blickt Jesus die ihm folgenden Jünger des Johannes an. Über den Blick begegnen sich Menschen in der Tiefe der Seele. Und es ereignet sich „Liebe auf den ersten Blick“. Solches angeschaut-werden geht „durch und durch“.

 

Was sucht ihr?

 

Das griechische „Ti zeteite“ meint „suchen...erforschen“.

„Erforschen“ meint „auf den Grund gehen“ und „dem Innersten nahekommen wollen“.

Das Christusereignis hat den Evangelisten zum „Jesus-Forscher“ werden zu lassen. Er ging den Ereignissen um Jesus von Nazareth auf den Grund. Und so entfaltet er Schritt für Schritt Bilder und Worte, die auch uns animieren können, mit dem Christus-Jesus in Beziehung zu treten: Durch nachdenken, meditieren, schweigen, neue Worte finden. Pfarrer Jean-Marie Vianney erklärte sein einfaches Gebet vor dem Tabernakel mit „Ich schaue IHN an, ER schaut mich an.“

 

Wo wohnst (meneis) du?

Das griechische „menein“ bedeutet zuerst „bleiben“.

Wo ist deine Bleibe? Wo bist du „be-heim-atet“?

 

Ich erinnere mich der Mitmenschen, bei denen ich Bleibe erfahre, wo ich „ich selber“ sein kann, angenommen und angesehen werde...

 

Blieben (emeinan) jenen Tag bei ihm...

Im Ich-bin-Bildwort vom Weinstock Joh 15, 4ff bittet Jesus die Jünger*innen „Bleibt (menein) in mir, dann bleibe ich in euch. Wer in mir bleibt bringt reiche Frucht.“

Das „bei IHM bleiben“ kann vollzogen werden im Lesen des Evangeliums, im Schweigen, im Schauen auf eine Christus-Ikone, im Da-sein und mich aus-halten.

 

es war um die zehnte Stunde

Für die Zahl 10 steht der hebräische Buchstabe „JOD“ -der Anfangsbuchstabe des Gottesnamens. Als Schriftzeichen ist er ein „kleiner Tropfen“, der sich in allen anderen Schriftzeichen finden lässt. Im Kleinen ist das Große schon drinnen. In der „kurzen“ Begegnung der Jünger mit Jesus ist das „Große des Christusgeschehens“ schon da.

Eben: Im ersten Blick ereignet sich schon die Liebe.

 

Andreas und der Jünger ohne Namen fangen in der Begegnung mit Jesus Feuer. Andreas ist sich gewiss, den Sinn des Lebens gefunden zu haben. Das drängt ihn, seinem Bruder Simon davon zu erzählen. Er konnte unmöglich schweigen von dem, was er gesehen und erfahren hatte.

 

Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen, das bedeutet: Petrus, Fels.

 

Schon wieder wird jemand von Christus angeblickt. Dieser Blick in die Seele lässt Simon einen anderen werden: Er wird ab jetzt Simon Petrus heißen. Seine Berufung wird es, „Fels“ zu sein. Berufen aufgrund des Zutrauens, nicht aufgrund seiner persönlichen Leistung.

 

Welche „Geschichten“ und „Erinnerungen“ sind in meinem Namen gespeichert?

Welche Berufung verbinde ich mit meinem eigenen Namen?

 

Anregung zu einer Gestalt-Übung:

Ich schreibe und gestalte meinen Namen mit meiner „schönsten“ Schrift.

eintauchen ins leben

Lebenslinien - Petra Unterberger

 

 

FEST DER TAUFE DES HERRN (10. Jänner 2021)

Evangelium des Markus 1, 7 - 11

 

7 Johannes verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. 8 Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

9 Und es geschah in jenen Tagen, da kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. 10 Und sogleich (41 x in Mk), als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. 11 Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen  gefunden.

 

Einfach weiterdenken…

Der Evangelist Markus ist ein „Meister der Kürze“. Er ist der Erfinder der Schriftgattung „Evangelium – Gute Nachricht“. Mit wenigen „Strichen“ entsteht ein Bild von Jesus. Die Evangelisten Lukas und Matthäus haben von ihm gelernt und neue Zeugnisse über Jesus hinzugefügt. Und Johannes schließlich meditiert das Christusereignis der anderen Evangelien auf seine Weise und erschließt es dem hellenistischen Denken.

Die äußeren Grunddaten:

Johannes tauft am Jordan – ahnt, dass nach ihm einer kommt – Jesus aus Nazareth in Galiläa lässt sich von Johannes taufen

Erfahrung durch „äußere Zeichen“:

Aus dem Wasser steigend sieht Jesus die aufgerissenen Himmel. Die Mehrzahl „Himmel“ steht im Alten Testament für „GOTT*“

„Wasser“ meint das Irdische, das geschaffene Leben, das Menschsein mit seinen Möglichkeiten und Brüchen.

…sah er, dass Geist wie eine Taube auf ihn herabkam: Es könnte sein, dass der Evangelist an Gen 1, 2 dachte – „Die Erde war >tohu wa bohu<, durcheinander und wirr, Finsternis lag über der Urflut und GOTTES GEIST*in schwebte über dem Wasser.“ Die irdische Wirklichkeit zeigt sich immer wieder – gerade zurzeit - als Durcheinander. In dieses „Tohuwabohu“ taucht GOTT*ein in Jesus. Für Jesus stellt sich über das Geschehen in der Taufe hinaus das „Eintauchen ins irdisch-Alltägliche“ als schmerzlicher Reifungsweg heraus. Wie Jesus nach dem Untertauchen im Jordan aus dem Wasser herausgestiegen ist, so steigt er am Ende des Paschaweges aus dem Grab heraus.

Eintauchen ins irdisch-Alltägliche prägt unser Leben: Da gibt es wie bei einer Fieberkurve Zacken nach oben und nach unten. Reifungswege sind häufig verbunden mit einem „zu-Grunde-gehen“. So kann sich im Laufe einer therapeutischen Begleitung nach dem schmerzlichen Eintauchen in die Verwundungen der Lebensgeschichte doch der „Himmel“ öffnen.

…eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen (eudokesa) gefunden.

Wer ist Jesus?

Einfach und kurz „GOTT* liebt ihn und hat Gefallen an ihm.“ Mit diesem Grundvertrauen ausgestattet wird Jesus seinen Weg gehen. Nicht erst „jetzt in der Taufe“ war diese tragende Kraft in ihm. Von „allem Anfang an“ wird Johannes betonen, denn „Im Anfang war der Christus-Logos bei GOTT*und in ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen.“

Bei wem finde ich Gefallen?

Kann ich glauben/vertrauen, von GOTTES* Wohlgefallen um hüllt zu sein?

Wie wurde / wird es für mich spürbar? 

das Licht leuchtet in der Finsternis...

Kirchentür in Erfurt - Foto Ingrid Jehle

 

 

2. Sonntag nach Weihnachten (3. Jänner 2020)
Evangelium des Johannes 1, 1 – 5. 9 - 14


1 Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. 2 Dieses war im Anfang bei Gott. 3 Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. 4 In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst. 9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. 10 Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. 11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. 12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, 13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. 14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.


Einfach weiterdenken...


Anders als Lukas und Matthäus - die wunderbare Ereignisse rund um die Geburt von Jesus erzählen - beginnt Johannes sein Evangelium mit einem tiefsinnigen Hymnus. Sein Rückgriff auf den Anfang des Christusgeschehens ergibt sich aus “wir haben seine Herrlichkeit geschaut”. “Wo also ist der Anfang des Anfangs des Christus Jesus”?

Die zur Johannesgemeinde Gehörigen sind vertraut mit der griechischen Weisheits- und Logos-Lehre. Johannes wählt die ihnen vertraute Sprache. Außerdem nutzt der Evangelist das Erste/Alte Testament.


“Im Anfang war das Wort”...lässt an die ersten Worte in Gen 1 denken “Im Anfang schuf GOTT* Himmel und Erde”. Mit dem Christusereignis wird von GOTT* ein neuer Anfang gesetzt.

LOGOS – der neue Name/Titel für Christus:

Die griechische Philosophie meint damit das Urprinzip des Lebendigen. Er steht in Verbindung mit der WEISHEIT, die nach Weish 9 als “Person” an der Seite GOTTES* thront und die zugegen war, als GOTT* die Welt erschuf. In der Umformung des weiblichen Wortes Weisheit (griech. Sophia) in Logos ereignet sich ein Verlust der weiblichen Dimension der Rede von GOTT*. Daher übersetzt “Bibel in Gerechter Sprache” Joh 1 mit “Am Anfang war die Weisheit und die Weisheit war bei GOTT* und die Weisheit war wie GOTT*.”


Johannes verbindet in seinem Hymnus WORT (Logos, Sophia) - GOTT (theos) - LEBEN (zoe) - LICHT (phos).


Im WORT/LOGOS war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen...


“Worte” sind mächtig, sie können Leben bewirken und fördern. Es gibt Worte, die aufbauen, ermutigen, stärken. In Worten liegt “schöpferische Kraft”, aus ihnen kann Neues hervorgehen. “Dichtung” ist Ausdruck davon.


Welche Worte der Weihnachtspost haben mich belebt und ermutigt?


...das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst (griech. katelaben)…


Gen 1, 2 erwähnt die Finsternis über der Urflut und die Erde war wüst und chaotisch. In die Finsternis/das Chaos der Welt kommt der Christus-Logos. Doch es gelang nicht, das Licht an- und auf-zunehmen. Darin liegt die Tragik des Christusgeschehens, die von den anderen Evangelisten in den vielfältigen Szenarien der Ablehnung von Jesus deutlich werden. “Auf-nehmen” ist ein Schlüsselwort, um das Christusereignis fortzuschreiben.


Wie gelingt es mir, auf-nahme-bereit für die Christusbegegnung zu leben?


Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.


Grundsätzlich ist jeder Mensch potentiell von Christus erleuchtet. So kann das Evangelium des Matthäus verkünden “Ihr seid das Licht der Welt.”


Und das Wort ist Fleisch (griech “sarx”) geworden und hat unter (griech. “en”) uns gewohnt...


Der Christus-Logos ist ganz Mensch geworden mit “Haut und Haar”. Das griechische Wort “en” hat zwei Bedeutungen: Unter oder/und in. Das Christusereignis ist außen und innen erfahrbar, leiblich und geistlich.


...wir haben seine Herrlichkeit geschaut


Das griech. Wort “doxa” für Herrlichkeit entspricht dem hebräischen Wort “kabod”. Und mit den zwei Begriffen schwingen “Glanz” und “Gewicht” mit. Der Ort der göttlichen Herrlichkeit ist für den jüdischen Gläubigen der Tempel. Johannes “verortet” die “göttliche Herrlichkeit” in Christus. Er ist der neue Tempel. Und im Ersten Testament findet sich die Grundbotschaft “GOTT* schuf Mann und Frau als sein/ihr Abbild und Repräsentant*in.”

Auch "Ikonen" verkünden die göttliche Herrlichkeit.

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